Unterwegs mit der ersten vollelektrischen Volvo-Limousine. Fahrbericht Volvo ES90. Logbuch TEST.
Der Volvo ES90 ist die erste vollelektrische Limousine der Marke. Das Auto ist seit Ende 2025 auf dem Markt und der sechste Volvo-Vollelektriker — vier SUV und ein Crossover stehen antriebstechnisch ebenfalls komplett unter Strom. Weltweit verkaufte Volvo im vergangenen Jahr 21 Prozent Vollelektriker, in Deutschland lag der Anteil der vollelektrischen Fahrzeuge bei 16 Prozent.

Das Auto
Der Volvo ES90 ist laut Hersteller keine klassische Limousine, sondern wegen der großen Heckklappe und dem daraus resultierenden Schrägheck eine „coupéhafte Limousine“. Auffälliger als die nicht ganz klassische Silhouette ist allerdings die hohe Bodenfreiheit von 18 Zentimetern. Der sogenannte hohen Hüftpunkt und der lange Radstand (3,10 Meter) sind der Tatsache geschuldet, dass der ES90 auf der gleichen Plattform wie der EX90 aufbaut. Ein hoher Hüftpunkt erleichtert Ein- und Ausstieg und führt auch zu eine höheren Sitzposition und damit zu besserer Sicht im Auto.
Mit exakt 5 Metern Länge, 2,12 Meter Breite (inklusive Außenspiegeln) und 2,4 Tonnen Gewicht ist der ES90 ein mächtiger Wagen. Das sowohl innen als auch außen reduzierte Design wirkt nicht nur elegant, sondern funktioniert auch aerodynamisch: Der cw-Wert liegt bei 0,25. Auf dem Testwagendach ist die einzige Erhöhung der Lidar, der allerdings zukünftig nicht mehr zu sehen sein wird – Probleme mit dem Zulieferer. Für die Sicherheit sorgen Kameras, Radareinheiten und Ultraschallsensoren, die einen 360-Grad-Rundumblick erlauben und Basis für die etlichen Assistenzsysteme sind: autonomer Notbremsassistent, Fußgänger- und Fahrradfahrererkennung, Frontkollisionswarner, Kreuzungsbremsassistent, Totwinkel-Assistent, Verkehrszeichenerkennung, Spurhalte-Assistent, Stau-Assistent, 360-Grad-Rundumsichtmonitor, Einparkhilfe und Rückfahrkamera.
Optional verfügbar ist das Fahrerassistenzsystem Pilot Assist, der Abstandsregeltempomat ist bis 150 km/h aktiv und hält das Fahrzeug auch in der Fahrspur.

Der Antrieb
Zur Wahl stehen drei Motorisierungen, eine Heck- und zwei Allradantriebs-Varianten: Single Motor mit 333 PS (245 kW) und 480 Nm Drehmoment, Twin Motor AWD mit 177 PS (130 kW) und 265 Nm an der Vorder- und 279 PS (205 kW) und 405 Nm an der Hinterachse. Der Twin Motor Performance AWD liefert 299 PS (220 kW) und 390 Nm an der Vorder- und 381 PS (280 kW) und 480 Nm an der Hinterachse.
Wir waren mit der Basisversion Single Motor Extended Range unterwegs: 245 kW (333 PS) Leistung, 480 Nm Drehmoment, 92 kWh (88 kWh netto) Lithium-Ionen-Batterie. Die Einstiegsversion beschleunigt elektroautotypisch gut, die Lenkung ist direkt (zwei Stufen sind wählbar) und insgesamt fährt sich die Reiselimousine mit dem Panoramadach sehr bequem und entspannt. Die Batterie liegt im Wagenboden und sorgt so für den tiefen Schwerpunkt.
Ein Sicherheitsthema, mit dem Volvo schon seit einigen Jahren modell- und antriebsübergreifend an den Start geht, ist das Tempolimit – seit 2020 liefert der Automobilhersteller alle Fahrzeuge mit einer abgeregelten Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h aus. Und trotzdem: Für den Sprint auf 100 km/h benötigt die Premium-Limousine lediglich 6,6 Sekunden. Insgesamt macht die Fahrt im ES90 Spaß, zwei Fahrmodi stehen zur Wahl: Standard und Off-Road mit noch einmal erhöhter Bodenfreiheit.
Stellt man die One-Pedal-Option ein, kann man die Limousine mit einem Fuß fahren, und optional steht der Auto-Modus zur Wahl und das Fahrzeug passt das One-Pedal-Driving an die aktuelle Verkehrssituation an.
Akku, Verbrauch und Reichweite
Die Testrunde im Münchener Umland verläuft größtenteils über Landstraßen und durch kleine Orte, bei Temperaturen um null Grad Celsius – das eine kommt dem Elektroauto entgegen, das andere nicht. Pari könnte man sagen. Knapp 135 Kilometer stehen am Ende auf dem Tacho und ein Verbrauch von 19,3 kWh pro 100 Kilometer. Ein sehr guter Wert für ein 2,4 Tonnen schweres Auto. Laut WLTP ermöglicht der 92-kWh-Akku Reichweiten von bis zu 651 Kilometern, beim Start und einem Batterieladestand von 92 Prozent stehen 370 Kilometer Reichweite auf dem Fahrerdisplay. Im Untermenü steht nicht nur die Reichweite, sondern drei mögliche Reichweiten: der dynamische Schnitt, die minimale und die maximale Reichweite, die mit der vorhandenen Batterieladung möglich sind. Geht der Fahrstrom zur Neige, kann auf der Basis der 800-Volt-Technik nachgeladen werden – erstmals bei Volvo. Das heißt, an Schnellladesäulen kann mit einer Ladeleistung von 300 kW innerhalb von 22 Minuten von zehn auf 80 Prozent geladen werden. Steht keine Schnellladesäule zur Verfügung fließt der Strom mit 11 kW in den ES90.
Die Allradfahrzeuge speisen die Energie übrigens aus einer 106 kWh Hochvoltbatterie und einer Ladeleistung von 350 kW. Innerhalb von 20 Minuten geht es hier von zehn auf 80 Prozent, und laut WLTP sind Reichweiten von bis zu 700 Kilometern möglich.
Raumangebot

Die Außenmaße von 5,00 Meter Länge und 2,12 Meter Breite lassen es erahnen: Fahrer, Beifahrer und drei Hinterbänkler haben viel Platz im ES90. Der Fond-Fußraum ist etwas höher als bei anderen Fahrzeugen, dank des langen Radstands von 3,10 Meter fällt das allerdings nicht negativ auf. Bis zu fünf Erwachsene können also bequem in der Volvo-Limousine sitzen und reisen.
Die Rücksitze können einzeln, in Kombination oder komplett umgeklappt werden und vergrößern das Kofferraumvolumen von 424 Liter auf 1427 Liter. Zusätzlich gibt es vorn einen Frunk mit 27 Litern Fassungsvermögen – ideal für die Aufbewahrung des Ladekabels.
Volvo verzichtet im hochwertig anmutenden Innenraum konsequent auf Leder, bei den Sitzbezügen hat man die Wahl zwischen dem von Volvo entwickelten Material Nordico und einem Wollgemisch. Nordico besteht aus Vinyl, recycelten PET-Flaschen und biologisch angebautem Material, die Alternative Tailored Wool besteht zu 30 Prozent aus Wolle und zu 70 Prozent aus Polyester.

Der Innenraum überzeugt durch skandinavischen Minimalismus, haptische Knöpfe gibt es fast nicht, abgesehen von den Reglern für Lautstärke und Musiktitelwechsel. Die restliche Steuerung erfolgt über den 14,5 Zoll großen Touchscreen, die Bedienung ist selbsterklärend, sollte aber vor allem im Stand erfolgen.
Beim Infotainmentsystem setzt Volvo auf die Android-Basis. Kluger Schachzug, zum Beispiel bei der Navigation, die erfolgt so direkt über Google-Maps – der oft gewählte Umweg über das Smartphone fällt also weg. Für Nutzer von Smartphones mit Android-System ist das Infotainment selbsterklärend, weil es wie ihr Smartphone aufgebaut ist, aber auch Apple-Nutzern gelingt die Bedienung des Infotainmentsystems auf Anhieb.
Und apropos Smartphone: Das kann entweder induktiv im dafür vorgesehenen Fach unter dem Touchscreen oder per Kabel geladen werden, die Verbindung mit dem Auto erfolgt kabellos über Bluetooth.
Preise
Der Single Motor ES90 startet bei Preisen ab 70.490 Euro, der Twin Motor AWD kostet ab 87.490 Euro, und für den Twin Motor Performance AWD verlangt Volvo wenigstens 92.990 Euro.

Fotos: Volvo
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