Unterwegs mit dem stärksten Plug-in-Hybrid des Volvo XC60. Logbuch Test.
Bis vor einem knappen halben Jahr war der Volvo 240 das erfolgreichste Modell des schwedischen Automobilherstellers. Der 240 wurde von 1974 bis 1993 gebaut und war noch lange nach seiner 19-jährigen Produktionszeit allgegenwärtig — in Europa und in den USA. In Nordamerika prägte das Erfolgsmodell den Ausdruck der „Volvo Middle Class“. Der kastige 240 Kombi war das Familienauto seiner Zeit und verteidigte seine Position als erfolgreichster Volvo lange 32 Jahre nach seinem Produktionsstopp.

Kombis sucht man aktuell fast vergebens auf den Straßen, der Siegeszug der SUV hält an. Das Kraftfahrtbundesamt meldet mit 33,6 Prozent erneut die SUV an der Spitze der Neuzulassungen im Jahr 2025.
Auch bei Volvo ist mit 230.655 verkauften Fahrzeugen ein SUV das beliebteste Modell: der XC60. Und nicht nur das. Seit Juli vergangenen Jahres ist der XC60 mit insgesamt 2,7 Millionen produzierten Fahrzeugen der meistverkaufte Volvo aller Zeiten. Beim Marktstart 2008 war der XC60 das zweite SUV der Marke, seit 2017 verlässt die zweiter Generation die Volvo-Werke — aktuell in Torslanda (Schweden) und Chengdu (China), ab Ende 2026 auch im US-Werk Ridgeville. Im Moment gibt es das Erfolgsmodell als Mild-Hybrid und Plug-in-Hybrid. Und am 21. Januar 2026 wird die erste vollelektrische Variante des SUV vorgestellt. Der EX60 verspricht Reichweiten von bis zu 810 Kilometern und lädt die Batterie dank 800-Volt-Technologie schneller als alle anderen Volvo-Elektriker.
Das Auto
Wir waren mit dem stärksten Plug-in-Hybrid des Modells unterwegs, dem Volvo XC60 Plug-in-Hybrid T8 Polestar Engineered, der die Vorteile beider Antriebswelten vereint.

Klare Linien, hochwertige Materialien und skandinavisches Understatement zeichnen alle Volvo-Modelle aus, so auch den XC60. Die zweite Generation des 2,1 Tonnen schweren SUV gibt es bereits seit 2017, man sieht dem Auto die lange Produktionszeit nicht an. Auch wegen des Facelifts im vergangenen Jahr — der überarbeitete Kühlergrill und der neue Touchscreen sind optisch die wohl markantesten Änderungen. Die Modellvariante Polestar Engineered unterscheidet sich nicht nur durch das sportlichere Fahrwerk von den anderen Modellvarianten, sondern hebt sich auch optisch ab: schwarze 21-Zoll-Leichtmetallfelgen (beim Testwagen sogar 22 Zoll), Panoramaschiebedach und gelbe Sicherheitsgurte sind serienmäßig.
Antrieb, Fahrmodi und Verbrauch
Die Performance-Variante des XC60 Plug-in-Hybrid heißt T8 Polestar Engineered, vereint die Vorteile beider Antriebswelten und geht als Allradvariante mit einem Reihenvierzylinder an der Front und einem Elektromotor im Heck an den Start: 310 PS (228 kW) und 400 Nm an der Vorderachse und 145 PS (107 kW) und 309 Nm an der Hinterachse stehen zur Verfügung. Laufen die Motoren zusammen, bedeutet das eine Systemleistung von 455 PS (335 kW) und 709 Nm Drehmoment. Der Standardsprint von null auf 100 km/h ist in 4,9 Sekunden möglich, bei 180 km/h regelt das System ab – Standard bei Volvo. Vollelektrisch sind 140 km/h möglich.
Der Fahrer hat die Wahl zwischen fünf Fahrmodi, die über den Touchscreen aktiviert werden können: Hybrid, Pure, Polestar, Off-Road und AWD. Je nach Fahrmodus und Ladezustand der Batterie treibt der Elektromotor das Fahrzeug allein an, unterstützt den Verbrennungsmotor oder ermöglicht einen effizienten Allradantrieb mit je einer Antriebsquelle pro Achse.

Startet man das 4,70 Meter lange Fahrzeug ist standardmäßig der Hybrid-Modus eingestellt, das Fahrzeug wechselt je nach aktueller Fahrsituation zwischen Elektro- und Verbrennungsmotor. Pure bedeutet, dass das Fahrzeug ausschließlich vollelektrisch unterwegs ist, der XC60 wird dann zum Hecktriebler und regelt bei 140 km/h ab. Wählt man Polestar, dient der Elektromotor als Booster des Verbrennungsmotors, um die Maximalleistung des Plug-in-Hybrid abzurufen. Fällt die Wahl auf AWD ist man ebenfalls mit Allradantrieb unterwegs. Bis zu Geschwindigkeiten von 25 km/h kann auch der Off-Road-Modus, der auf den AWD-Modus aufbaut, gewählt werden, dann wird die Bodenfreiheit erhöht, die Bergabfahrhilfe aktiviert und die Lenkunterstützung erhöht. Wahlweise kann der Volvo elektroautotypisch mit einem Fuß per One-Pedal-Driving gefahren werden. Ebenfalls wählbar ist die Batteriekonfiguration: „Auto“, „Halten“ und „Laden“ stehen zur Wahl. Wählt der Fahrer „Auto“ wird die Batterieleistung genutzt, im Modus „Halten“ bleibt die Batteriekapazität gleich und im Modus „Laden“ wird die Batterie während der Fahrt ausschließlich geladen.
Die 18,8 kWh Lithium-Ionen-Batterie liefert die Energie für den Elektromotor. Ist der Akku leer, kann diese an der Ladebuchse vorne links mit einer Geschwindigkeit von 6,4 kW innerhalb von drei Stunden nachgeladen werden. Laut Datenblatt sind bei voller Batterieladung 81 Kilometer rein elektrisch möglich. Winterliche Temperaturen von unter null Grad sind für elektrische Reichweiten immer noch große Herausforderungen, die Überland-Testfahrt liefert deshalb einen anderen Wert: 45 Kilometer rein elektrische Reichweite bei bis zu minus 7 Grad weichen zwar von den WLTP-Angaben ab, sind für diese Temperaturen und den Arbeitsweg der meisten Pendler aber trotzdem ausreichend. Insgesamt verbraucht der 4,70 Meter lange SUV auf der 125 Kilometer langen Überlandfahrt zusätzlich zu den 18,8 kWh Strom 5,7 Liter Benzin pro 100 Kilometer. Nach 1495 Test-Kilometern steht ein Gesamtverbrauch von 9,3 Liter — ebenfalls ein guter Wert für ein 2,1 Tonnen schweres Fahrzeug und rund 1000 Autobahn-Kilometer.

Vierzylinder-Verbrenner mit sympathisch knurriger Aussprache. Steckdose (oben links) und Tankstutzen (oben rechts) kombinieren die Energiezufuhr
Assistenten und Infotainment
Die Liste der Fahrassistenten ist lang: adaptiver Tempomat mit Abstandsassistent, autonomer Notbremsassistent, Fußgänger- und Fahrradfahrererkennung, Frontkollisionswarner, Kreuzungsbremsassistent, Totwinkel-Assistent, Verkehrszeichenerkennung, Spurhalte-Assistent, Stau-Assistent, 360-Grad-Rundumsichtmonitor, Einparkhilfe und Rückfahrkamera, Spurhalteassistent.
Hinzu kommen die Infotainment-Features Audiosystem, Bluetooth, Navi, 11,2-Zoll-Touchscreen, Spracherkennung, induktives Smartphone-Ladesystem. Last not least schlüsselloser Zugang, Abgang, Start und Stopp, Head-up-Display, Sitzheizung, Lenkradheizung, Standheizung, USB-C-Anschlüsse und 12-Volt-Steckdose.

Alle Fahrassistenzsysteme sind über Knöpfe am Lenkrad steuerbar, das ist einfach, intuitiv und praktisch. Die Sprachsteuerung hat in unserem Testfahrzeug allerdings nicht gut funktioniert. Pluspunkt bei allen Volvo-Modellen ist hingegen die Android-Basis des Infotainmentsystems. Kluger Schachzug, zum Beispiel bei der Navigation, die erfolgt so direkt über Google-Maps — der oft gewählte Umweg über das Smartphone fällt also weg. Für Nutzer von Smartphones mit Android-System ist das Infotainment selbsterklärend, weil es wie ihr Smartphone aufgebaut ist, aber auch für Apple-Nutzer ist die Bedienung des Infotainmentsystems einfach und selbsterklärend. Ebenfalls einfach ist die kabellose Verbindung des Smartphones mit dem Fahrzeug. Insgesamt ist das Infotainmentsystem leicht und intuitiv zu bedienen, die meisten Systeme sind hinter dem Stichwort „Fahren“ abrufbar. Ebenfalls praktisch ist die direkt über den Startbildschirm steuerbare Temperatur inklusive Sitz- und Lenkradheizung. Und ein weiterer Pluspunkt sind die haptischen Bedienelemente, etwa für die Lautstärke oder das Einstellen der Rückspiegel.


Das Raumangebot
Der zweitgrößte Volvo-SUV ist mit 4,70 Meter Länge und 1,90 Meter Breite sowie 2,1 Tonnen Gewicht ein großes Auto. In der Theorie. Denn sitzt man erst einmal hinterm Steuer, vergisst man die Maße und die Masse. Der XC60 fühlt sich beim Fahren sehr kompakt an. Im Innenraum finden Fahrer und bis zu vier Beifahrer ausreichend Platz auf den bequemen Sitzen. Wobei drei Plätze hinten eher für kurze Fahrten oder Kinder geeignet sind. Zu viert reist man hingegen sehr komfortabel. Die Rückbank lässt sich zu einer flachen Kofferraumfläche einklappen, dann vergrößert sich das Gepäckraumvolumen von 468 Liter auf 1395 Liter — das reine Kofferraumvolumen ist recht klein für ein so großes Fahrzeug und wird durch die große Ladekabel-Tasche zusätzlich verkleinert. Die Skidurchlade ermöglicht die Fahrt in die Berge, ohne die Sitze umzuklappen.
Die Vordersitze sind bequem, Federung und Dämpfung sind straff. Einen guten Eindruck hinterlässt auch die direkte Lenkung.
Preis
Plug-in-Hybride verbinden die Vorteile des vollelektrischen Fahrvergnügens und der großen Reichweite der Verbrenner-Welt. Allerdings hat das seinen Preis. Die Performance-Variante XC60 Plug-in-Hybrid T8 Polestar Engineered kostet 87.590 Euro. Die Basisversion des XC60 mit den zwei Antriebsherzen heißt T6 AWD (293 kW/398 PS Systemleistung) und startet in der Preisliste mit 67.990 Euro. 
Fotos: motorfuture
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