„GEN4 ist ein Game-Changer: Über 800 PS Leistung, permanenter Allradantrieb, eine Beschleunigung von Null auf 100 in 1,8 Sekunden und eine Rekuperation von über 40 Prozent“

Opel startet ab Dezember 2026 mit seinem Werksteam in der Formel E. Teamchef Jörg Schrott im Gespräch mit motorfuture über Chancen, Ziele und Perspektiven.

Jörg Schrott ist Teamchef des Opel Formula E GSE Teams. Der gebürtige Aschaffenburger startet 1997 als erster Mitarbeiter des neu gegründeten Opel Performance Center (OPC) seine Karriere bei Opel, 2012 übernimmt er die Leitung von Opel Motorsport, ist für die elektrischen Rallye-Rennserie mit dem Corsa und dem Mokka Electric verantwortlich. Jetzt führt der 62-Jährige das Opel Formula E GSE Team in die vollelektrische Rennserie.

Opel Formel E-Chef Jörg Schrott

Herr Schrott, Opel hat eine historische Motorsportgeschichte und startet ab der kommenden Saison in der Formel E. Was sind die Hintergründe zum Start in der vollelektrischen Serie?

Der Einstieg in die Formel E hebt unser Engagement im elektrischen Motorsport auf ein völlig neues Level. Die Formel E ist Racing auf Weltmeisterschaftsniveau und die am schnellsten wachsende Rennserie weltweit. Wir haben jetzt ein internationales Schaufenster, das weltweit von über 400 Millionen Menschen gesehen wird. Das ist eine Bühne, auf der wir den Menschen auch unsere vollelektrischen GSE Performance-Modelle präsentieren können. Die Formel E passt perfekt zu uns, weil sie Elektromobilität sichtbar und nahbar macht, die Fans erleben Performance, Fahrspaß und Hightech aus nächster Nähe.

Opels erste Saison ist ebenfalls die erste Saison der Gen4 Boliden. War das ein Grund, jetzt in die Serie einzusteigen, und wie verändern die neuen Fahrzeuge die Serie?

Der Start dieser neuen Ära ist für uns genau der richtige Zeitpunkt und technologisch extrem spannend. GEN4 ist ein Game-Changer: Über 800 PS Leistung, permanenter Allradantrieb, eine Beschleunigung von Null auf 100 in 1,8 Sekunden und eine Rekuperation von über 40 Prozent, die sich das Auto im Rennen selbst zurückholt. Hinzu kommen ein neuer Reifenpartner und ein neues Rennformat. Das bedeutet einen Neuanfang für alle in der Formel E und für uns den perfekten Zeitpunkt, um einzusteigen. Was das gesamte Energiemanagement angeht, ist die Formel E auch technologischer Beschleuniger für unsere Serienmodelle.

Stellantis hat bereits jahrelange Formel-E-Erfahrung durch die Teams von DS, Maserati und Citroën. DS hat die Serie am Ende der vergangenen Saison nach elf Jahren verlassen, Citroën hat in der vergangenen Saison den Startplatz von Maserati übernommen. Opel startet mit eigenem Team ab der neuen Saison. Wie läuft die Zusammenarbeit mit der Schwesternmarke Citroën und wie profitiert Opel von der langjährigen Formel-E-Erfahrung der Stellantis-Schwesternmarke DS?

Opel hat eine eigene Lizenz von der Formel E erworben und steigt als autark agierendes Werksteam ein. Wir greifen natürlich auf die zwölf Jahre Erfahrung des Konzerns in der Formel E zurück. Innerhalb von Stellantis sind wir das erste Team ohne externen Partner. Das ist ein großer Vorteil, weil wir Entscheidungen komplett selbst treffen können – von der Fahrerwahl bis zur Rennstrategie. Wir bauen aktuell ein eigenes Team mit Opel-Ingenieuren, Strategen und Systementwicklern auf und haben kürzlich erst mit Formel-E-Rekordsieger Mitch Evans und Théo Pourchaire unsere Fahrerpaarung bekanntgegeben. Ein echtes Dream-Team.

Wie läuft die Vorbereitung insgesamt? Wieviele Testtage gab es bisher, was steht in den kommenden Wochen an?

Wir haben einen klaren Plan, den wir gerade abarbeiten. Es sind nicht einmal mehr 100 Tage, bis wir als Opel unser erstes Formel-E-Rennen bestreiten. Die Schlagzahl ist dementsprechend hoch und wir arbeiten fast täglich im Simulator, am Prüfstand oder auf der Rennstrecke. Zwischen der Verkündung unseres Einstiegs und dem Saisonauftakt liegen allein 15 private Testtage. Zudem freuen wir uns auf die Weltpremiere des finalen Rennwagendesigns für den Opel GSE 27FE auf der Paris Motor Show am 12. Oktober.

Ein Blick ins Opel GSE Formula E Team: Wie groß ist das Team? Ist es bereits vollständig und sind auch ehemalige DS-Mitarbeiter Teil des Teams?

Die wichtigsten Positionen im Engineering und Management sind bereits besetzt. Das Team rekrutiert sich aus dem Formel-E-Fahrerlager sowie anderen hochklassigen Motorsport-Kategorien. Der Blick auf den engen Kalender gibt einen guten Eindruck, was für eine intensive Premieren-Saison vor uns liegt. Dafür wächst unser Team Tag für Tag enger zusammen, der Zeitplan steht, die Testtage sind intensiv und ergiebig – und in diesem Modus arbeiten wir weiter bis zum Saisonstart.

Mit Mitch Evans und Théo Pourchaire stehen die beiden Fahrer fest, Sophia Flörsch vervollständigt das Team als Testfahrerin. Opel setzt auf die Kombination eines sehr erfahrenen Fahrers und eines Rookies, wie sind die Ziele in der ersten Saison?

Wir wollen sichtbar sein – und sichtbar ist man in einer WM nicht auf Platz zehn. Mit unseren beiden Stammpiloten untermauern wir diese Ambition. Théo Pourchaire als einer der gefragtesten Rookies in der Formelszene und Mitch Evans als feste Größe der Formel E haben bewiesen, dass sie Rennen und Titel gewinnen können. Genau diesen Mindset brauchen wir in unserem Team.

Die Rennen finden jetzt, auch wegen der deutlich höheren Leistung, nur noch vereinzelt auf Stadtkursen statt. Hinter dem Konzept der Stadtkurse steckte auch die Idee, Menschen anzusprechen, die sonst nicht mit Motorsport in Kontakt kommen. Was sind die neuen Ideen, die Formel E bekannter zu machen?

Die neue Generation der Formel-E-Autos wird die Fans schon wegen ihrer puren Performance begeistern und noch mehr Aufmerksamkeit erregen. Wir haben tolle Fahrer und Teams, ein spannendes Rennformat und Locations in Metropolen und auf ikonischen Rennstrecken rund um die Welt. Auf die Events in Europa und natürlich besonders das deutsche Rennen freuen wir uns aus Opel-Sicht natürlich besonders. Auch abseits der Rennstrecke spüren wir gerade eine große Aufbruchsstimmung: Dass die Formel E künftig weltweit live auf Disney+ zu sehen sein wird, ist eine großartige Neuigkeit für alle aktuellen und zukünftigen Fans.

Fotos: Opel

 

Formel-E-Saisonkalender 2026/27
18. & 19. Dezember 2026 Rennen 1 & 2 Jeddah, Saudi-Arabien Jeddah Corniche Circuit
16. Januar 2027 Rennen 3 Mexiko-Stadt, Mexiko  Autódromo Hermanos Rodríguez
06. Februar 2027 Rennen 4 Austin, USA Circuit of The Americas (COTA)
20. Februar 2027 Rennen 5 Miami, USA Miami International Autodrome
13. März 2027 Rennen 6 São Paulo, Brasilien Anhembi Sambadrome Circuit
17. April 2027 Rennen 7 Sanya, China Haitang Bay Circuit
01. & 02. Mai 2027 Rennen 8 & 9 Monaco, Monaco Circuit de Monaco
08. & 09. Mai 2027 Rennen 10 & 11 Berlin, Deutschland Tempelhof Airport Street Circuit
29. & 30. Mai 2027 Rennen 12 & 13 London, Großbritannien Brands Hatch
18. & 19. Juni 2027 Rennen 14 & 15 Zandvoort, Niederlande MASCOT Zandvoort Circuit
26. & 27. Juni 2027 Rennen 16 & 17 Madrid, Spanien Circuito de Madrid Jarama-RACE
10. & 11. Juli 2027 Rennen 18 & 19 Shanghai, China Shanghai International Circuit
24. & 25. Juli 2027 Rennen 20 & 21 Tokio, Japan Tokyo Street Circuit

Franziska Weber