Leapmotor B03X: Fahrbericht

Geräumiges Kompakt-SUV zu fairem Preis. Fahrbericht Leapmotor B03X.

Chu Jiangming gründet im Jahr 2015 Leapmotor in Hangzhou, 2017 stellt die chinesische Marke den ersten Prototyp vor, 2019 folgt die Auslieferung des ersten Serienmodells und 2024 startet das chinesische Start-Up sein Europageschäft als Joint Venture mit Stellantis unter dem Namen Leapmotor International.

Im November 2024 wurde mit dem T03 das erste Fahrzeug in Deutschland ausgeliefert. In den vergangenen zwei Jahren sind in Deutschland vier weitere Modelle auf den Markt gekommen und seit dem 1. Oktober produziert die chinesische Marke auch in Europa: in Saragossa (Spanien) rollt ab sofort der B10 vom Band. Und es geht weiter: Ende kommenden Jahres erweitert die Marke die Produktion in Europa und übernimmt in Madrid ein komplettes Stellantis-Werk.

Zugpferd E-Auto-Prämie

Ein Meilenstein jagt den nächsten in der jungen Firmengeschichte und anders als bei einigen chinesischen Mitbewerbern ist auch die Nachfrage hoch. In den ersten neun Monaten 2026 verkaufte Leapmotor bereits 16.044 Fahrzeuge in Deutschland, bis Ende 2026 rechnen die Verantwortlichen mit 20.000 verkauften Einheiten. „Das übersteigt unsere Erwartungen“, sagt Leapmotor-Deutschland-Chef Martin Resch. Zielsetzung für das zweite komplette Verkaufsjahr in Deutschland waren ursprünglich 10.000 Fahrzeuge — „die E-Auto-Prämie zeigt bei uns seit dem ersten Tag ihre Wirkung“, sagt Resch. 1456 bewilligte Anträge bis Juli 2026 bedeuten Platz 6 in der Marken-Rangliste; auf Basis der Prämie verkauften nur Tesla, Skoda, Cupra, Hyundai und VW mehr Fahrzeuge.

Die Gesamtzahl verteilt sich bei Leapmotor wie folgt: für 754 T03, 444 B10 und 210 C10 wurden Förderprämien bewilligt.

Leapmotor würzt die staatliche E-Auto-Prämie übrigens nicht mit zusätzlichen Nachlässen oder Aktionsangeboten, die Restwertentwicklung ist ein Schlüsselpunkt der Idee. „Wir wollen gesund wachsen“, sagt Resch. Und: „Wir verzichten aktiv auf Volumen, um die Restwertentwicklung hoch zu halten.“ Aktuell sind circa 90 Prozent der Kunden Privatpersonen. Verkauft werden die Fahrzeuge über das Stellantis-Händlernetz — Anfang des Jahres gab es 130 Standorte, die Anzahl wächst stetig, und es gibt bereits fünf Fremdmarken-Kooperationen (zum Beispiel mit BMW, VW und Ford).

90 Prozent Privatkunden

Aus den vorliegenden Daten lässt sich nicht eindeutig erkennen, von welchen Marken die Leapmotor-Kunden kommen. Viele kaufen erstmals einen Zweitwagen, andere wechseln von japanischen Herstellern. Ein Teil kommt zudem von anderen Marken des Stellantis-Konzerns. „Wir haben Autos zu Preisen, die sich viele Leute leisten können“, sagt Noah Schneider aus dem Leapmotor-Produktmarketing bei der Präsentation des B03X. Und das gilt nicht nur für das fünfte Modell des chinesischen Startups, sondern auch für die anderen vier Modelle, die aktuell auf dem deutschen Markt erhältlich sind. Bisher ist der T03 das meistverkaufte Leapmotor-Modell in Deutschland, der B03X, sind sich die Verantwortlichen sicher, könnte die Spitzenposition in Gefahr bringen.

Wir waren mit der Topversion des B03X unterwegs.

Das Auto

Der Leapmotor B03X ist ein kleines Elektro-SUV, das dank der kantigen Form viel Platz bietet. Zwei Antriebsvarianten und zwei Batteriegrößen stehen zur Wahl. Wir waren mit der ProMax-Design-Ausstattung unterwegs, die die Topmotorisierung und die großen Batterie kombiniert: 145 kW (197 PS) und 200 Nm treiben die Vorderräder des 1,6 Tonnen schweren E-SUV an. Der Motor ist ölgekühlt, um die Maximalleistung für längere Zeit halten zu können. Der Antritt ist elektroautotypisch direkt, die Abstimmung leise und komfortabel. Für den Standardsprint von null auf 100 km/h benötigt der B03X 8,6 Sekunden, bei 160 km/h regelt das System ab. Zur Wahl stehen drei Fahrmodi (Komfort, Standard und Sport), drei Lenkmodi (Komfort, Standard und Sport) und drei Rekuperationsmodi (schwach, mittel und stark). Wie immer gilt: je sportlicher der Modus, desto direkter der Antritt. Die Lenkung ist im Komfort- und Standard-Modus sehr leichtgängig, das kann durch die Auswahl des Sportmodus allerdings korrigiert werden.

Die Einstiegsvariante des B03X wird von 130 kW (177 PS) und ebenfalls 200 Nm angetrieben. Die Energie schöpft der Kompakt-SUV dann aus der kleineren 39,8 kWh Batterie.

Laden und Verbrauch

Der 54-kWh-Akku sorgt laut WLTP für Reichweiten von bis zu 382 Kilometern, was im Idealfall einem Verbrauch von 15,7 kWh/100 km entspricht. Die Praxis unterbietet den Laborwert: Für die 55 absolvierten Testkilometer mit viel Stadtverkehr benötigt der B03X lediglich 12,2 kWh auf 100 Kilometer. Bei kälteren Temperaturen oder längeren Überland- und Autobahnfahrten wird sich dieser Wert erhöhen, allerdings ist der häufigste Einsatzbereich des B03X sicherlich der Stadt- und Nahverkehr. Geht der Fahrstrom zur Neige, lädt der Leapmotor an der Schnellladesäule mit 133 kW. Innerhalb 21 Minuten geht es dann von 10 auf 80 Prozent Ladestand. Steht keine Schnellladesäule zur Verfügung, lädt der B03X serienmäßig mit einer Kapazität von 11 kW. Die Batterie ist fest im Wagenboden verbaut, Leapmotor nennt das Cell-to-Body-Verfahren CTC2.0 Plus. Auf die Batterie gibt Leapmotor eine Garantie von acht Jahren oder 160.000 Kilometer.

Cockpit, Infotainment und Platzangebot

Bei einer Länge von 4,27 Meter finden bis zu fünf Personen Platz im Kompakt-SUV, wie immer gilt: je länger die Fahrt desto eher wird der Fünf- zum Viersitzer. Positiv zu erwähnen ist, dass die Passagiere vorn wie hinten viel Platz im Fuß- und Kopfbereich haben — der lange Radstand von 2,60 Meter ist dafür verantwortlich. Ist die Rückbank frei, kann sie nach oben geklappt werden — entweder vollständig oder teilweise (60:40). Das ist praktisch, um hohe Gegenstände zu transportieren. Ebenfalls praktisch ist der Kofferraum, der 475 Liter fasst und ein zusätzlichem Fach unter dem Ladeboden hat, das dank integriertem Stöpsel einfach ausgewaschen werden kann. Klappt man die Rückbank um, entsteht eine ebene Ladefläche und das Stauraumvolumen vergrößert sich auf 1358 Liter. Legt man zusätzlich den Beifahrersitz um entsteht eine Ladefläche von 2,30 Meter Länge. Ein kleiner Kritikpunkt ist der fehlende Frunk.

Über das 14,6 Zoll große Infotainmentsystem läuft die gesamte Bedienung des Fahrzeuges ab. Dort werden zum Beispiel die Fahrmodi, die Assistenzsysteme und die Spiegel eingestellt. Die Bedienung sollte bei stehenden Fahrzeug erfolgen, für den Fahrbetrieb wären ein paar haptische Knöpfe hilfreich.

Die Materialien im Kompakt-SUV überzeugen, einzig die Kofferraumablage könnte wertiger verarbeitet und besser befestigt sein. 

Preis

Der Leapmotor B03X ProMax Design kostet 29.900 Euro, die Einstiegsvariante Pro Life startet bei 24.900 Euro. 

Fotos: Leapmotor

motorfuture E-Autos im Test

 

motorfuture SCHAUFENSTER Elektroautos und Plug-in-Hybride

motorfuture LEXIKON a

motorfuture Von A bis Z

Franziska Weber