Leapmotor T03: Praxistest

Der Leapmotor T03 erzählt eine Menge über das Automobil an sich und seine Zweckbestimmung. Praxistest. Stärken und Schwächen auf einen Blick.

Weniger ist häufig mehr, manchmal sehr viel mehr. Der Leapmotor T03 erzählt so gesehen eine Menge über das Automobil an sich und seine Zweckbestimmung. Das ist doppelt spannend, denn der Kurze aus China ist ein Elektroauto.

Doch der Reihe nach.

Die Marke

Leapmotor ist der chinesische Partner des Automobilkonzerns Stellantis mit seinen 14 Marken aus den USA, aus Deutschland, aus Frankreich und Italien. Stellantis hält 51 Prozent der Firma Leapmotor International. Die Gesellschaft vermarktet Leapmotor in Europa. Das Joint-Venture sichert dem Konzern eine attraktive China-Marke und dem Newcomer den Zugang zum Stellantis-Vertriebs- und Servicenetz. In Deutschland stellen momentan gut 130 Händler die Modellpalette in die Showrooms. Die Startbilanz ist mit rund 7300 Neuzulassungen im vergangenen Jahr nicht schlecht. 5000 Einheiten gingen auf das Konto des T03.

Das Auto

Der T03 hat seine Kernkompetenzen in der Stadt und auf der Kurzstrecke.

Das Auto ist eine Alternative zu Bussen und Bahnen. Zum Beispiel für Berufstätige, die jenseits der Fahrpläne Schichtarbeit leisten. Oder für Landmenschen, die ÖPNV mit „öffentlich passiert nicht viel“ übersetzen. 

Handling und Komfort

In der Kürze liegt die Würze des T03.

1,65 m schmal

3,62 m kurz

1,58 m hoch

Die kompakten Abmessungen machen den T03 zum idealen Gefährt in der Stadt, im Parkhaus und bei der Parkplatzsuche. Kritikpunkt: Das Auto fühlt sich jenseits der Abmessungen erstaunlich unhandlich an.

Der Frontantrieb und der für die Fahrzeuglänge große Radstand von

2,40 Metern

machen das Wägelchen beim Rangieren subjektiv mindestens eine Nummer größer. Hinzu kommt die miserable Sicht nach hinten und nach schräg hinten. Ja, es gibt die serienmäßige Rückfahrkamera. Aber die klassische Kontrolle sämtlicher Fahraktivitäten ist halt mehr als nur eine verstaubte Fahrschul-Regel.

Erstaunlich gut meistert die chinesischen Kurzware hingegen das Kapitel Fahrkomfort. Fahrkomfort braucht Radstand, lautet die Faustregel. Das Auto hat prinzipiell also zunächst einmal schlechte Karten. Aber der T03 schlägt sich gar nicht schlecht. Er rollt und federt zwar ein bisschen hölzern, aber das ist nichts, was den Fahrspaß wirklich trübt. Die Lenkung arbeitet exakt, es gibt drei Einstelloptionen, eine elektronische Spielerei, mehr nicht. Die Bremsen? Werden selten benötigt. Der Rekuperationsmodus Eco erlaubt entspanntes und wirtschaftliches One-Pedal-Driving.

Raumangebot

Das Platzangebot ist im Kleinwagen ein großes Thema. Im T03 geht es vorne und hinten eng zu, das ist ja klar. Fahrer und Passagiere rücken sich ziemlich auf die Pelle, der kleine Chinese ist kein Reisebus. Die Sitze vorn sind im Prinzip okay, lange Leute jenseits der 1,85 Meter stoßen aber an die Grenzen der Verstellmöglichkeiten. 

Die Hinterbänkler müssen also mit den Fußraumresten leben, die die Vordermänner und -frauen übrig lassen. Das kann, wenn es dumm läuft, zu unkomfortablen Engpässen führen. Immerhin gibt es für die Passagiere auf den billigen Plätzen eigene Türen. Keine Selbstverständlichkeit im Kleinwagen.

Platz da auch im Gepäckraum. Ein bisschen jedenfalls. Steht die Rücksitzlehne gerade, ist der Kofferraum ein tiefes schmales Loch. Wird die Lehne auf die Sitzbank gelegt, entsteht eine Etage höher zusätzlicher Stauraum.

Übrigens: Die konstruktive Hochbeinigkeit des Leapmotor T03 sorgt nicht nur für freie Fahrt auch auf schlechten Wegen und Stegen, sie gibt dem Wägelchen zudem einen hohen Hüftpunkt. Das befördert einen bequemen Zu- und Ausstieg und ist ein Komfortmerkmal, das besonders die Älteren und/oder Hüftsteifen unter uns zu schätzen wissen.

Bedienung

Und damit zum Cockpit des Kurzen. 

Für Getriebe und Scheibenwischer gibt es die klassischen Stockhebel am Lenkrad, die Tasten für die Fensterheber und Außenspiegel sind da, wo sie hingehören – in den Türen links und rechts. Klassische Haptik auch für wichtige Assistenzsysteme, fürs Telefon, fürs Radio und für die Monitore. Der Startknopf sitzt rechts hinter dem Lenkrad. Der Fahrlichtschalter? Versteckt sich auf dem Touchscreen. Das ist zumindest. gewöhnungsbedürftig.

Infotainment/Assistenzsysteme

Zentral hinterm Lenkrad platziert ist das 8-Zoll-Instrumentendisplay mit den klassischen Informationen zum aktuellen Fahrgeschehen: Tempo, Fahrmodus, Reichweite, Tempolimit-Anzeige, Abstandstempomat.

Das 10,1-Zoll-Infotainmentdisplay ist in der Mitte des Armaturenbretts montiert.

Es bietet den kompletten Zugang zu allen Informationen und Steuerungsmöglichkeiten rund ums Auto.

Leistung und Verbrauch

Der Elektromotor des T03 arbeitet an der Vorderachse.

70 kW (95 PS)

Leistung und das maximale Drehmoment aus dem Stand von

158 Newtonmeter

treiben das Auto flott und kräftig an. Das Leistungsangebot des Elektro-Winzlings ist um Klassen entfernt von der maschinellen Magerkost klassischer Verbrenner-Kleinwagen. Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in

12,7 Sekunden

die Höchstgeschwindigkeit wird bei

130 km/h

elektronisch abgeregelt, bei Vollstoff auf der Autobahn meldet der Tacho sogar 140 km/h. Keine Frage, das Auto macht Spaß. Das gilt nicht zuletzt beim Blick auf die Verbrauchswerte. Der Leapmotor T03 ist, rechnet man den Stromverbrauch in das Benzin- oder Dieseläquivalent um, nicht weit entfernt vom

1-Liter-Auto

Im Kurzstreckenbetrieb nahm sich unser Praxistestwagen 12,2 kWh Strom auf 100 Kilometer, die zügige Fahrt über die Autobahn kostete 18,6 kWh/100 km. Das sind Werte, die auch kleine und schwachbrüstige Verbrenner alt aussehen lassen.

An der Ladesäule lädt der T03 übrigens einen 37,3-kWh-LFP-Akku.

Die Lithium-Eisenphosphat-Technik bietet im Vergleich mit den Nickel-Varianten bei günstigeren Kosten eine bessere thermische Stabilität und eine längere Lebensdauer, allerdings zu Lasten einer geringeren Energiedichte. Und bescheiden ist die T03-Ladetechnik auch bezüglich der Ladeleistung: 6,6 kW am Wechselstrom-Lader, 45 kW an der DC-Powerstation. Für 50 Prozent Strom (30 bis 80 Prozent Kapazität) steht der Kleine laut Datenblatt 36 Minuten an der Steckdose. Das ist ein Wert, den die Praxis bestätigt.

Im Alltag praktisch ist hingegen der Ladeanschluss in der Wagenfront.

Und eine nette serienmäßige Zugabe ist auch das Schuko-Ladekabel für die Haushaltssteckdose.

Ausstattung

Punkten kann der Leapmotor nicht zuletzt mit seiner sehr guten Ausstattung. Klimaanlage, Rückfahrkamera, Parksensoren, sechs Airbags, Multifunktionslenkrad, zwei Displays, Radio, Online-Navigation – alles serienmäßig an Bord. Dazu adaptiver Tempomat, Spurhalteassistent, Toter-Winkel-Assistent, Frontkollisionswarner, Notbremsassistent und Müdigkeitswarner. Außerdem beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorn und hinten, 12-Volt-Steckdose und zwei USB-Anschlüsse sowie das Glasdach mit Sonnenschutz.

Preis

Das Finish des Autos ist schwer in Ordnung.

Und der Preis ist heiß: 18.900 Euro all inclusive. Zieht man die E-Auto-Förderprämie der Bundesregierung ab – im besten Fall sind das 6000 Euro – bleiben 12.900 Euro. Leapmotor gibt drei Jahre oder 100.000 Kilometer Garantie auf das Auto und acht Jahre oder 160.000 Kilometer auf die Traktionsbatterie.

Zusammenfassung

Der Leapmotor T03 erzählt unter dem Strich eine gute Geschichte. Relativ wenig Auto – die Betonung liegt auf relativ – kann unter dem Strich sehr viel Auto sein. Keine Frage: Vollelektrische Kleinwagen sind eine gute Sache.

 

Die Stärken auf einen  Blick:

+ kompakte Abmessungen

+  geringer Verbrauch

+ sehr gute Ausstattung

+ günstiger Preis

+ ordentlicher Komfort

+ einfache Bedienung

+ gute Fahrleistungen

 

Die Schwächen auf einen  Blick:

Reichweite Langstrecke

Ladeleistung

Sicht nach hinten

 

 

 

 

Fotos: motorfuture

 

motorfuture Logbuch TEST

 

motorfuture SCHAUFENSTER

motorfuture LEXIKON a

motorfuture Von A bis Z

Oskar Weber