Unterwegs im vollelektrischen Astra Sports Tourer. Fahrbericht Opel Astra Electric Sports Tourer. Logbuch TEST.
90 Jahre Kompaktklasse: Mit dem Kadett legte Opel 1936 den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte. Rund 25 Millionen verkaufte Kadett- und Astra-Modelle später erhält die sechste Astra-Generation zum Jubiläum ein technisches und optisches Update.
Der Astra ist der einzige Opel, der immer noch am Unternehmenssitz Rüsselsheim entwickelt, designt und produziert wird. Das Werk beschäftigt aktuell 1350 Mitarbeitende und produziert zur Zeit in einer Schicht (Frühschicht) neben dem Astra auch den No. 4 der Konzernschwester DS auf der selben Produktionslinie. Multi-Energy heißt die Produktionsline, auf einer Linie werden gleichzeitig nicht nur zwei Modelle, sondern auch vier unterschiedliche Antriebsarten produziert: Elektro, Plug-in-Hybrid, Hybrid und Diesel. Das bietet vollste Flexibilität bei der Produktion.
Und seit Anfang Juni ist klar, dass auch die kommende Astra-Generation im 325.485 Quadratmeter großen Werk in Rüsselsheim gebaut wird. „Die Vergabe der nächsten Astra-Generation an unser Werk in Rüsselsheim bekräftigt das Engagement von Opel für Deutschland als Industriestandort“, sagt Opel-Chef Florian Huettl.

Das Auto
Den aktuellen Astra gibt es seit 2023 in zwei Karosserievarianten, als Fünftürer und Sports Tourer, wie Opel sein Schrägheck und seinen Kombi nennt. „Deutschland ist und bleibt Kombiland“, sagt Opel-Sprecher David Hamprecht. „Und der Astra ist und bleibt ein Lademeister.“ Und in diesem Fall gleich im doppelten Sinn, denn wir waren mit dem vollelektrischen Astra Electric Sports Tourer unterwegs.
Insgesamt stehen beim Astra vier unterschiedliche Antriebsarten zur Wahl: Elektro, Plug-in-Hybrid, Hybrid und Diesel. Die Produktion passt sich flexibel an die Nachfrage an. Aktuell verteilt sich die Nachfrage wie folgt: 30 Prozent Elektro und Plug-in-Hybride, 30 Prozent Diesel und 40 Prozent Hybrid.
Seit 2023 gibt es den Astra auch vollelektrisch, ab sofort mit einer größeren Batterie und mehr Leistung. Zusätzlich hat sich die Front verändert, der Opel-Blitz ist erstmals beleuchtet.
„Mit dem richtigen Licht ist man stadionhell unterwegs”, sagte Jürgen Klopp in seiner Zeit als Opel-Markenbotschafter. Und auch beim Astra setzt Opel weiter auf optimales Licht, das bereits ab der Kompaktklasse verfügbar ist — je nach Ausstattungslinie sind die Intelli-Lux HD Lichter serienmäßig oder optional (im Tech-Paket 1500 Euro) erhältlich.
Antrieb
Der Opel Astra Electric geht mit einer Motorisierung und einer Batteriegröße an den Start: 156 PS (115 kW) und 270 Nm. Der Fronttriebler beschleunigt elektroautotypisch gut, der Sprint auf 100 km/h gelingt in 9,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 170 km/h. Drei Fahrmodi – Eco, Normal und Sport – sind einfach über den Kippschalter in der Mittelkonsole wählbar und verändern Ansprechverhalten und Leistungsabgabe spürbar. Über die Schaltwippen am Lenkrad lässt sich zudem die Rekuperation in drei Stufen einstellen. Das funktioniert intuitiv und erlaubt je nach Verkehrslage ein entspanntes oder dynamischeres Fahren.
Akku, Verbrauch und Reichweite
Neu ist die etwas größere Reichweite. Der Vollelektriker speist seine Energie aus der 58-kWh-Batterie (55 kWh netto), die im Wagenboden sitzt. Laut Datenblatt sind Reichweiten von bis zu 445 Kilometer möglich und damit 35 Kilometer mehr als beim Vorgängermodell. Der innerstädtische WLTP-Wert verspricht Reichweiten von bis zu 566 Kilometern. Die Testrunde unterbietet den angegebenen Energieverbrauch mit 15,2 kWh/100 km sogar knapp.
Braucht der Akku frischen Strom, kann mit einer Leistung von 100 kW nachgeladen werden — der Astra lädt innerhalb von 32 Minuten von 20 auf 80 Prozent. Das ist ein annehmbarer Wert, auch wenn die Ladeleistung noch optimierbar ist. Steht keine Schnellladesäule zur Verfügung, lädt der Astra mit 11 kW. Ebenfalls neu ist die Vorkonditionierung der Batterie, die manuell vor einem geplanten Aufladen gestartet wird und die Batterie optimal auf den Ladevorgang vorbereitet. Und erstmals gibt es im vollelektrischen Astra die Vehicle-to-Load-Option, der Astra kann mithilfe des 349 Euro teuren Adapters externe Geräte wie zum Beispiel E-Bikes laden. Opel gibt auf seine Batterien 8 Jahre oder 160.000 Kilometer Laufleistung Garantie.

Das Raumangebot
Der Astra Electric Sports Tourer ist 4,64 Meter lang und 1,86 Meter breit und damit ein sehr stattlicher Kombi. Fahrer und vier Beifahrer finden bequem Platz — auch im Astra setzt Opel serienmäßig auf seine ergonomischen Sitze. Und der Sports Tourer zeigt, warum Kombis in Deutschland trotz SUVisierung nach wie vor eine große Fangemeinde haben: 516 Liter Kofferraumvolumen und fünf Sitzplätze sprechen für sich. Klappt man die Rückbank um, verdreifacht sich das Gepäckraumvolumen auf 1553 Liter. Lediglich ein Detail fällt negativ auf: Einen Frunk gibt es beim elektrischen Astra nicht, das Ladekabel muss deshalb im Kofferraum oder unter dem Ladeboden verstaut werden. Ansonsten präsentiert sich der Sports Tourer als praktischer Begleiter für Familie, Freizeit und längere Reisen.
Das Cockpit

Der Astra setzt sich von aktuellen Wettbewerbern ab, weil Opel im Cockpit auf viele haptische Knöpfe setzt. Alle Schlüsselfunktionen sind per Knopfdruck einstellbar. Das macht die Bedienung nicht nur einfach, sondern vor allem sehr benutzerfreundlich. Die Fahrassistenzsysteme können bequem übers Lenkrad eingestellt werden, optional ergänzt ein Head-up-Display die wichtigsten Fahrinformationen direkt im Sichtfeld des Fahrers.
Das leicht zum Fahrer geneigte, gebogene Display vereint Fahrerinformation und Infotainmentsystem zu einer Einheit. Die Menüführung ist übersichtlich aufgebaut und lässt sich intuitiv bedienen. Insgesamt hinterlässt das Cockpit einen aufgeräumten und alltagstauglichen Eindruck – ohne den Trend zu einer ausschließlich touchscreenbasierten Bedienung mitzugehen.
Preise
Der Opel Astra Electric Sports Tourer kostet in der Einstiegsvariante (Edition) ab 39.890 Euro, die anderen beiden Ausstattungslinien starten bei 42.210 Euro (GS) und 45.260 Euro (Ultimate).

Fotos: Opel
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