Polestar 3 Rear Motor: Fahrbericht

Unterwegs im Basismodell des Premium-SUV. Fahrbericht Polestar 3 Rear Motor. Logbuch TEST.

Mit weltweit 60.119 verkauften Fahrzeugen hat Polestar im vergangenen Jahr das bislang erfolgreichste Vertriebsergebnis seiner Unternehmensgeschichte erzielt. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von 34 Prozent. Rund 70 Prozent der Fahrzeuge wurden in Europa zugelassen, davon 5.007 in Deutschland – ein Plus von 57,4 Prozent. Die schwedisch-chinesische Elektroautomarke ist inzwischen in 31 Märkten vertreten, zuletzt kamen Estland, Lettland und Litauen hinzu.

Parallel zum Wachstum baut Polestar sein Vertriebsnetz aus. Neben den eigenen Polestar Spaces in den Innenstädten werden die Fahrzeuge inzwischen auch über ausgewählte Mehrmarken-Autohäuser verkauft. Voraussetzung ist, dass die Händler zugleich Volvo-Modelle anbieten. In Deutschland gibt es derzeit 14 Standorte, bis Ende des Jahres soll sich diese Zahl verdoppeln.

Aktuell sind drei Polestar-Modelle auf dem Markt: der Polestar 2, der Polestar 3 und der Polestar 4. Die Modellbezeichnungen folgen der Reihenfolge ihrer Markteinführung. Den Anfang machte 2019 der limitierte Polestar 1 – laut Hersteller „das erste, letzte und einzige Hybridfahrzeug der Marke“. Der Polestar 5 wurde im vergangenen Jahr auf der IAA Mobility in München vorgestellt und soll ab September ausgeliefert werden. Ebenfalls ab September soll ein Derivat des Polestar 4 bestellbar sein. Die zweite Generation des Polestar 2 ist für 2027 angekündigt, 2028 soll mit dem Polestar 7 das erste in Europa produzierte Modell der Marke folgen. Die Einführung des Polestar 6 wurde dagegen auf unbestimmte Zeit verschoben.

Die vollelektrische Marke ist seit 2017 auf dem Markt, blickt aber auch auf eine knapp 30-jährige Geschichte zurück, die im Jahr 1997 als unabhängiges Rennteam begonnen hat. Die darauf folgende Entwicklung einer Leistungssoftware für Volvo legte den Grundstein für die weitere Geschichte: Polestar wurde erst Volvos Performance-Tuning-Partner, bevor Volvo die Marke 2015 übernommen hat. Nur zwei Jahre später wird Polestar im Jahr 2017 als Tochtermarke von Volvo und Geely eigenständig. Im Jahr 2023 haben sich die Besitzverhältnisse erneut verändert: Geely ist jetzt Haupteigentümer, Volvo mit 18 Prozent Anteilen nicht mehr Mutter-, sondern Schwestermarke.

Polestar bezeichnet sich deshalb selbst als „Start-up mit 100 Jahren Erfahrung“ und verweist auf die technischen Synergien innerhalb des Konzerns. Ein aktuelles Beispiel ist die 800-Volt-Architektur, die nun auch für den Polestar 3 verfügbar ist. Das SUV wird derzeit in den Volvo-Werken in Chengdu (China) und Ridgeville (South Carolina, USA) gebaut und teilt sich die SPA2-Plattform mit dem Volvo EX90. Ab dem dritten Quartal 2026 soll die Produktion des Polestar 3 ausschließlich im US-Werk erfolgen.

Wir waren im neu überarbeiteten Einstiegsmodell Polestar 3 Rear Motor unterwegs.

Das Auto

Der Polestar 3 ist das Premium-SUV der Marke mit dem Polarstern und ab sofort überarbeitetet auf dem Markt – mit neuer 800 Volt Architektur für schnelleres Laden, mehr Leistung und einem überarbeiteten Fahrwerk.

Drei Motorisierungen und zwei Batteriegrößen stehen zur Wahl — jeweils mit mehr Leistung — eine Heck- und zwei Allradantriebs-Varianten: Rear Motor mit 333 PS (245 kW) und 480 Nm Drehmoment, Dual Motor mit 544 PS (400 kW) und 480 Nm und Performance 680 PS (500 kW) und 740 Nm. Die beiden Allradvarianten ziehen den Strom aus der 106 kWh Lithium-Ionen-Batterie, regeln bei einer Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h ab, der Sprint auf 100 km/h dauert 4,7 Sekunden (Dual Motor) und 3,9 Sekunden (Performance). 

Wir waren mit dem Basisverison Polestar 3 Rear Motor unterwegs. Die Einstiegsversion beschleunigt elektroautotypisch gut, die Lenkung ist direkt (drei Stufen sind wählbar) und insgesamt fährt sich das Premium-SUV sportlich und agil. Die Batterie liegt im Wagenboden und sorgt so für den tiefen Schwerpunkt. 

Für den Sprint auf 100 km/h benötigt der Polestar 3 auch in der Basisversion lediglich 6,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 210 km/h. Mehr Leistung braucht eigentlich kein Mensch.

Akku, Verbrauch und Reichweite

Die größte Neuerung beim Polestar 3 ist die Ladetechnik, ab sofort setzt Polestar auf die 800 Volt Technologie. Beim Rear Motor sitzt die 92-kWh-Lithium-Ionen-Batterie im Wagenboden und verspricht laut WLTP Reichweiten von bis zu 603 Kilometern. Der Bordcomputer meldet nach knapp 200 Test-Kilometern einen Verbrauch von 17,8 kWh — ein sehr guter Wert für ein knapp 2,4 Tonnen schweres Fahrzeug bei Außentemperaturen von über 30 Grad Celsius. Geht der Fahrstrom zur Neige, kann auf der Basis der 800-Volt-Technik nachgeladen werden – erstmals bei Polestar. Das heißt, an Schnellladesäulen kann mit einer Ladeleistung von 310 kW innerhalb von 22 Minuten von zehn auf 80 Prozent geladen werden. An 400-Volt-Schnellladesäule kann mit 120 kW nachgeladen werden, steht keine Schnellladesäule zur Verfügung fließt der Strom an AC-Ladestationen mit 11 kW in die Trakltionsbatterie. 

Die beiden Allradvarianten speisen die Energie übrigens aus einer 106 kWh Hochvoltbatterie mit einer Ladeleistung von 350 kW. Innerhalb von 22 Minuten geht es hier von zehn auf 80 Prozent, und laut WLTP sind Reichweiten von bis zu 647 Kilometern (Dual Motor) und 601 Kilometern (Performance) möglich.

Das Raumangebot

Mit 4,90 Metern Länge und 1,97 Metern Breite zählt der Polestar 3 zu den größeren Vertretern seiner Klasse. Hinter dem Lenkrad wirkt der SUV jedoch deutlich handlicher, als es seine Abmessungen vermuten lassen.

Im Innenraum zeigt sich dann die Größe des SUV. Sowohl Fahrer und Beifahrer, aber auch bis zu drei Passagiere im Fond haben ausreichend Platz. Der Kofferraum fasst 597 Liter, klappt man die Rücksitzlehnen um, entsteht auf einer ebenen Ladefläche ein Fassungsvolumen von 1411 Liter. Praktisch ist der bei Polestar übliche Frunk in der Front, in dem zum Beispiel das Ladekabel Platz findet.

Das Cockpit

Der Innenraum folgt dem für Polestar typischen, aufgeräumten Design. Im Mittelpunkt steht der 14,5 Zoll große hochformatige Touchscreen in der Mittelkonsole. Über ihn werden nahezu alle Fahrzeugfunktionen gesteuert – vom Infotainment über die Klimatisierung bis hin zur Einstellung der Außenspiegel.

Wer bereits ein Polestar-Modell gefahren ist, findet sich schnell zurecht. Während die Bedienung im Stand intuitiv gelingt, erfordert sie während der Fahrt mitunter etwas Aufmerksamkeit, da klassische Schalter weitgehend fehlen.

Auf Kundenfeedback reagiert Polestar bereits: Neu sind beleuchtete Lenkradtasten, die die Bedienung erleichtern sollen. Ebenfalls neu ist die Integration des Google-KI-Assistenten Gemini. Er soll komplexere Sprachbefehle besser verstehen und präzisere Antworten liefern. Beim Navigationssystem setzt Polestar weiterhin konsequent auf Google Maps — wer bereits Android Auto oder Google Maps nutzt, findet sich deshalb sofort zurecht.

Preise

Der Polestar 3 Rear Motor startet mit Preisen ab 78.900 Euro, der Dual Motor kostet ab 87.900 Euro, und für den Performance verlangt Polestar wenigstens 106.900 Euro.

Fotos: Polestar

 

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Franziska Weber