Rennsport trifft auf Serienmodell. Unterwegs im stärksten Serien-Corsa aller Zeiten. Fahrbericht Opel Corsa GSE.
Vor vier Jahren hat Opel sein legendäres Kürzel GSE zurückgeholt, erstes Modell war der Plug-in-Hybrid Astra GSe. Im vergangenen November folgte der erste vollelektrische Mokka GSE, ab sofort ist der Corsa GSE bestellbar. Die drei Buchstaben spielen eine wichtige Rolle in der Geschichte von Opel. In den 1970er und 80er Jahren startete Opel mit dem Commodore und dem Monza GSE. Damalige Bedeutung: „Grand Sport Einspritzung“. Heute steht GSE für „Grand Sport Electric“, und die GSE-Modelle stehen weiterhin an der Spitze der jeweiligen Baureihen.
Ebenfalls unter dem Namen GSE startet Opel im Motorsport — aktuell im vollelektrischen Rallye-Markenpokal und ab der kommenden Saison in der vollelektrischen Formel E. „Die Teilnahme an der Formel E markiert einen neuen Meilenstein für Opel auf dem Weg in eine elektrische Zukunft“, sagt Opel-Chef Florian Huettl. „Unser Opel GSE Formula E Team wird zeigen, wofür unsere Marke steht: deutsche Ingenieurskunst, mutiges Design und eine elektrisierende Performance – Eigenschaften, die genauso auf die vollelektrischen Opel GSE-Modelle wie den Mokka GSE und bald den neuen Corsa GSE zutreffen.“
Der Corsa GSE ist ab sofort bestellbar, Ende des Jahres starten die ersten Auslieferungen. „Wir wollen Emotion und Leidenschaft ins Auto zurückbringen. Auch in den Kleinwagen. Und das natürlich elektrisch“, sagt Opel-Deutschland-Chef Patrick Dinger. Deshalb gibt es ab sofort den Corsa GSE.

Seit der Einführung im Jahr 1982 wurden über 15 Millionen Corsa verkauft — aktuell ist die sechste Generation auf dem Markt, die erste mit einer vollelektrischen Motorisierung. Die kommende Fahrzeuggeneration soll ausschließlich elektrisch sein. „Der Corsa GSE ist nicht nur der stärkste Corsa, den wir je produziert haben, sondern auch der emotionalste und der fahraktivste“, sagt Opel-Corsa-Produktmanagerin Helen Walter. Und das, obwohl oder gerade weil das Opel-Erfolgsmodell auf eine lange Geschichte hochmotorisierter Fahrzeuge zurückblickt.
1988 kommt der erste Opel Corsa GSi auf den Markt: 820 Kilogramm, 100 PS (74 kW), Höchstgeschwindigkeit 199 km/h. Es folgten der Corsa GSi 16V (109 PS), der Corsa C GSi (125 PS) und der Corsa D GSi 150 PS (110 kW): 210 km/h Höchstgeschwindigkeit. Der letzte GSi dient als Bindeglied zwischen der normalen Serie und den OPC-Modellen, die seit 2007 auf dem Markt sind. OPC ist das Kürzel für Opel Performance Center, drei Corsa tragen das Kürzel: der Corsa D OPC mit 192 PS (141 kW) und 266 Newtonmeter Drehmoment, der Corsa OPC „Nürburgring Edition“ mit 210 PS (154 kW) und der Corsa E OPC mit 207 PS (152 kW) und einer Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h.

Das Auto
Der Corsa GSE ist nicht nur die erste vollelektrische Corsa GSE-Generation, sondern mit 281 PS (207 kW) und 345 Nm auch der stärkste Corsa in der 44-jährigen Modellgeschichte. „Das Herzstück des Corsa GSE ist der Motor“, sagt Opel-Fahrwerk-Chef Christian Hartweg. Das Aggregat ist bereits aus dem Mokka GSE bekannt, die beiden Modelle setzten sich damit leistungstechnisch an die Spitze der Opel-Modellpalette. Der Corsa GSE teilt sich sämtliche Hochvolt-Komponenten wie Motor, Inverter, Batterie und Kabelbaum mit dem Mokka GSE und dem Mokka GSE Rally. Das im Vergleich zum Mokka GSE geringere Gewicht und der niedrigere Schwerpunkt des 4,08 Meter kurzen Corsa GSE sorgen für die bessere Beschleunigung: In 5,5 Sekunden sprintet der 1,5 Tonnen schwere Corsa GSE von null auf 100 km/h, bei 180 km/h regelt das System ab.
Um die hohe Leistung auch fahrdynamisch auf die Straße zu bringen, wurde das Fahrwerk des Corsa GSE gezielt auf Performance ausgelegt. Erfahrungen aus dem Motorsport sind in die Entwicklung eingeflossen. Der Corsa GSE verfügt über ein tiefergelegtes Sportchassis mit spezifisch ausgelegten Achsen, Stabilisatoren und hydraulischen Anschlagpuffern. Hinzu kommen ein Torsen-Lamellen-Sperrdifferenzial, ein GSE-optimiertes Lenk- und Pedal-Tuning sowie eine Vierkolben-Performance-Bremsanlage. Auch das Temperaturmanagement der Batterie wurde an die hohen Anforderungen des GSE-Modells angepasst.
Das funktioniert gut. Der Corsa GSE liegt satt auf der Straße und geht agil durch Kurven – auch dank des 54-kWh-Lithium-Ionen-Akku im Wagenboden, der für den tiefen Schwerpunkt sorgt. Die Lenkung ist präzise und direkt und bringt zusammen mit dem Leistungspaket viel Fahrspaß. Der Antritt ist direkt, drei Fahrmodi stehen zur Wahl: Eco, Normal und Sport. Wie immer gilt: Je sportlicher der Fahrmodus, desto besser die Beschleunigung und desto straffer das Fahrwerk und die Lenkung. Beim Corsa GSE variiert das zur Verfügung stehende Leistungspaket je nach Fahrmodus. Allerdings: Bereits im Eco-Modus stehen 190 PS, 300 Nm und eine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h zur Verfügung. Wählt man den Normal-Modus erhöht sich die Leistung auf 231 PS bei vollen 345 Nm Drehmoment und einer Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h und im Sport-Modus stehen die gesamten 281 PS bei 345 Nm zur Verfügung.
Eine weitere Besonderheit: Im Sportmodus wird die Rekuperation beim Bremsen abgestellt, um die volle hydraulische Bremsperformance zu erreichen und die Vermischung der beiden Bremssysteme zu vermeiden.

Laden und Verbrauch
Der 54-kWh-Akku liegt im Wagenboden und sorgt laut WLTP für Reichweiten von bis zu 374 Kilometern (je nach Bereifung), was im Idealfall einem Verbrauch von 16,0 kWh/100 km entspricht. Die Praxis bestätigt den Laborwert: Für die 65 absolvierten Testkilometer benötigt der GSE 20 Prozent der Batterie und der Bordrechner zeigt einen Durchschnittsverbrauch von 16,5 kWh/100 km, das ist ein guter Wert. Denn klar ist auch: Der Corsa GSE ist kein Vernunftauto, die Zielgruppe legt vor allem Wert auf Fahrspaß.
Geht der Fahrstrom zur Neige, lädt der Grand Sport Electric an der Schnellladesäule mit 100 kW. Nach 27 Minuten zeigt die Akkuanzeige im Idealfall dann 80 Prozent. Und steht keine Schnellladesäule zur Verfügung, lädt der Corsa serienmäßig mit einer Kapazität von 11 kW.
Cockpit, Infotainment und Platzangebot

Auch im Innenraum spiegelt sich die Sportlichkeit wider. Die Sportsitze sind schwarz-grau-gelb kariert und sind nicht nur bequem, sondern geben auch guten Seitenhalt. Auch die Sicherheitsgurte und verschieden Ziernähte sind gelb — unter anderem am Lenkrad aus Alcantaraleder, das haptisch und optisch überzeugt. Ebenfalls in gelb werden Informationen im Fahrerdisplay angezeigt. Fahrdisplay und das 10-Zoll große Farb-Touchscreen in der Mittelkonsole liefert Informationen wie zum Beispiel GSE-Performance-Daten, G-Kräfte-Anzeige, Beschleunigungswerte und Batteriemanagementdaten. Die Kombination aus Touchdisplay und haptischen Knöpfen macht die Bedienung einfach und intuitiv.
Fahrer und Beifahrer haben ausreichend Platz, je nach Größe der Passagiere in der Front schrumpft der Platz für Passagiere der hinteren Sitzbank. Sitzen vorn Fahrer jenseits der 1,90 Meter wird der 5-Sitzer, vor allem auf langen Strecken, eher zum Zweisitzer. Allerdings ist und bleibt der Corsa auch in der sechsten Generation ein Kleinwagen, obwohl die aktuelle Fahrzeuggeneration mit 4,08 Meter Länge und 1,77 Meter Breite knapp einen halben Meter länger ist als die allererste Corsa-Generation. Das gleiche zeigt sich im Kofferraum, der 267 Liter fasst. Klappt man die Rückbank um vergrößert sich das Kofferraumvolumen auf 1042 Liter.
Preis
Die Bestellbücher für den Corsa GSE sind seit dem 1. September geöffnet, das Messedebüt feiert der Power-Opel im Oktober auf dem Pariser Autosalon. Der stärkste Corsa kostet 39.900 Euro und ist quasi vollausgestattet. Einzig das Tech-Paket (750 Euro für Intelli-Lux Matrix Licht und LED-Nebelscheinwerfer) und Sonderlackierungen (alle fünf Farben außer weiß) kosten einen Aufpreis. Zum Vergleich: Der günstigste vollelektrische Opel Corsa mit 136 PS (100 kW) startet bei 30.440 Euro.

Fotos: Opel
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