Volvo EX60: A new beginning

Neuer Volvo EX60 zeigt Volvo-Zukunft: technisch und optisch.

Volvo bewirbt seinen neuestes Elektromodell mit einem Werbespot, der sich bei allen bisherigen E-Autofahrern bedankt – für ihr Durchhaltevermögen beim Laden im Regen und im Dunkeln, bei nicht funktionierenden Ladestationen, während langer Ladezeiten und fehlender Ladeinfrastruktur. Untermalt wird der 1:49-minütige Spot mit Édith Piafs Klassiker „Non, je ne regrette rien“ (Nein, ich bereue nichts) aus dem Jahr 1960. Am Ende des Spots heißt es: „Danke. Du hast daran geglaubt, dass Elektroautos eines Tages einfach nur Autos sein werden. Diesen hier haben wir für dich gebaut. Der neue Volvo EX60.“ Die musikalische Untermalung startet instrumental, einzig den letzten Satz singt Édith Piaf: „Ça commence avec toi“ (Es beginnt mit dir). Ob damit der neue Volvo oder die E-Auto-Pioniere gemeint sind, ist Auslegungssache, vielleicht gilt der Satz auch beiden. Der Titel des Spots lautet „A new beginning“ (Neuanfang) und genau das soll der EX60 für Volvo sein, ein Auto, das in die Volvo-Zukunft blicken lässt: technisch und optisch.

Reichweite, Ladegeschwindigkeit

Jeder, der schon länger und/oder öfter in einem Elektroauto unterwegs war, kennt mindestens eine der gezeigten Situationen. Weiß aber auch, dass sich in den letzten Jahren vieles schon wesentlich verbessert hat. Volvo liefert zum Schluss des Spots eine zentrale Weiterentwicklung, die der neueste vollelektrische Volvo bringen soll – 810 Kilometer Reichweite – und, nicht im Spot, aber fast, wenn nicht sogar noch wichtiger, eine Ladegeschwindigkeit von maximal 370 kW, was bedeutet, dass innerhalb von 10 Minuten Reichweiten von bis zu 340 Kilometer nachgeladen werden können. Reichweitenangst und lange Ladestopps sollen so der Vergangenheit angehören. „Freedom to move. Electric.“ (Mobilität. Elektrisch.) heißt es im Werbespot. Insgesamt soll der EX60 neue Standards setzen. Das neue Auto ist für Volvo ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg in die vollelektrische Zukunft der Marke – ein „bedeutendes Fahrzeug in der Transformation von Volvo zum vollständig elektrifizierten Hersteller.“ Allerdings haben die Schweden die einst vorgegebene Vollelektrifizierung auf unbestimmte Zeit verschoben, Plug-in-Hybride bleiben so lange im Programm, solange die Kundschaft diese nachfragt.

Zurück zum EX60, der laut Volvo-Sprecher Michael Schweitzer „weder ein Zwilling, noch Bruder, geschweige denn Nachfolger des XC60“ ist. Der XC60 ist seit vergangenem Jahr der meistverkaufte Volvo aller Zeiten und behauptet seine Position an der Verkaufsspitze Jahr für Jahr – vor allem in Deutschland. Auch vom EX60 erhofft sich der schwedische Hersteller gute Verkaufszahlen.

Am 21. Januar hat der neueste vollelektrische Volvo seine Premiere gefeiert, danach war er auf Deutschlandtour in München, Düsseldorf und Hamburg, zusammen mit der ebenfalls neu vorgestellten Cross Country Version. Beide Modelle sind seit der Premiere bestellbar, die Auslieferung des EX60 soll im Sommer 2026 starten, der Cross Country kommt erst im Sommer 2027 auf den Markt.

Leistung, Akkus, 800-Volt-Technik

Drei Antriebe mit drei Batteriegrößen stehen beim 4,80 Meter langen und 2,06 Meter breiten EX60 zur Wahl: ein Hecktriebler mit 275 kW (374 PS) und 83-kWh-Akku sowie zwei Allradantriebe mit 375 kW (510 PS) und 95-kWh-Akku und 500 kW (680 PS) mit 117-kWh-Akku. Laut Datenblatt sollen so, je nach Batteriegröße, Reichweiten von bis zu 620 Kilometer, 660 Kilometer und 810 Kilometer möglich sein. Und ebenfalls ein wichtiger Punkt in Hinblick auf die Langstreckentauglichkeit des Wagens: Volvo setzt beim EX60 auf die 800-Volt-Technologie, die Ladeleistungen von 320 kW und 370 kW verspricht. Die ersten beiden Modelle werden ab Sommer ausgeliefert, der Marktstart des topmotorisierten Modells folgt später.

Weitere Neuerung beim Akku ist, dass dieser direkt in die Karosseriestruktur integriert ist. Das spart 70 Kilogramm Gewicht und Bauraum und erhöht die Gesamtsteifigkeit des Fahrzeugs. Ein Nachteil des Cell-to-Body-Verfahrens: Die Batterie kann nur komplett getauscht werden.

Eine weitere Gewichtseinsparung (2,5 Kilogramm) erfolgt über das erstmals eingesetzte Mega Casting in der Produktion des Heckteils, bei dem ein Gussteil 124 Einzelteile ersetzt. Zusätzlicher Vorteil: Besteht das Bauteil den Qualitätscheck nicht, kann das Aluminium erneut eingeschmolzen werden und der Vorgang wird wiederholt. Das spart Materialkosten und ist nachhaltiger, als die bisherige Produktion des Heckteils.

Door-Wings

Geringeres Gewicht bedeutet immer weniger Verbrauch und mehr Reichweite. Auch optisch sticht ein Detail ins Auge, das für mehr Aerodynamik und mehr Reichweite sorgen soll, die fehlenden Türgriffe. Und damit sind wir bei den weiteren, direkt sichtbaren Neuerungen, dem Design. Erstmals kommt ein Volvo-Modell ohne klassischen Türgriffe auf den Markt. Sogenannte Door-Wings (Türflügel) zwischen Türrahmen und Fenster öffnen die Türen. Volvo versichert, dass diese in allen (Not-)Situationen geöffnet werden können – die elektrische Öffnung ist durch mehrere Stromkreisläufe abgesichert. Außerdem sind die Door-Wings 25 Zentimeter lang und in der Tür verankert, damit sie hohen Kräften ausgesetzt werden können. Warum der ganze Aufwand? Die Fahrzeugform wird so aerodynamischer, wieviel das konkret im Verbrauch bedeutet, wird allerdings nicht benannt. Und bereits jetzt ist absehbar, dass der EX60 der einzige Volvo mit solchen Türöffnern bleiben wird. China arbeitet aktuell an einem Gesetz, das klassische Türgriffe für die Zulassung neuer Modelle unbedingt voraussetzt .

Anders verhält es sich beim Interieur, das auch in kommenden Volvo-Modellen zu sehen sein wird. Das klassisch skandinavisch minimalistisch Design ist geblieben, die Elemente sind allerdings neu. Erstmals ist der Touchscreen, über den quasi alle Bedienungen gesteuert werden, vertikal angeordnet. Das Lenkrad ist kleiner als bei bisherigen Modellen, um den Blick auf das 11,4 Zoll große Fahrer-Display freizugeben. Das Fahrer-Display ist weit in Richtung Windschutzscheibe verschoben worden und soll so das Head-up-Display ersetzen. Wie gewohnt sind die Materialien qualitativ hochwertig und wie gewohnt verzichtet Volvo auf Lederausstattung. Ebenfalls im Innenraum befindet sich das neueste Sicherheitssystem von Volvo. „Der neueste Volvo ist immer das sicherste Auto, das wir haben“, sagt Michael Schweitzer. Neu in Sachen Sicherheit ist im EX60 der Sicherheitsgurt, der multi-adaptiv und mit mehrstufigen Kraftbegrenzern ausgestattet ist. Was das konkret heißt? Sensoren messen das Gewicht der Front-Passagiere und berechnen so die optimale Rückhaltekraft, die der Gurt bei einem möglichen Unfall haben muss. Zusätzlich zeichnen Kameras die Sitzposition auf, die Kombination der beiden Werte liefert dann die optimale Rückhaltekraft. Das soll bei Unfällen vor Verletzungen im Brustkorbbereich schützen.

Pilot Assist Plus, ab 62.990 Euro

Technisch setzt Volvo auch beim EX60 auf die Unterstützung von Google-Diensten. Erstmals kommt eine direkt reagierende, dialogorientierte KI auf Basis von Google Gemini im Fahrzeug zum Einsatz. Und in Sachen Assistenzsystemen verfügt der EX60 als erstes Volvo-Modell über den Pilot Assist Plus: Auf Autobahnen übernimmt das System bei Geschwindigkeiten von bis zu 130 km/h die Lenkbewegungen und unterstützt beim Spurwechsel.

„Wir lösen mit diesem Auto ein Versprechen ein und bekämpfen die drei großen Kritikpunkte, die es von Kundenseite an einem Elektroauto gab: Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Preis“, sagt Michael Schweitzer. „Wir schaffen es, preislich unter dem vergleichbaren Volvo XC60 zu bleiben.“ Der Einstiegspreis des heckangetriebenen XC60 liegt bei 62.990 Euro (275 kW/374 PS), die Allradvarianten starten bei 65.990 Euro (375 kW/510 PS) und 71.990 Euro (500 kW/680 PS).

 

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Franziska Weber