KGM Musso EV: Fahrbericht

Zweiter vollelektrischer Pick-up auf dem deutschem Markt im Fahrbericht. KGM Musso EV. Logbuch TEST.

Vor drei Jahren hat der südkoreanische Chaebol (Mischkonzern) KG Group den Automobilhersteller SsangYong übernommen und vertreibt seine Fahrzeuge seit einem Jahr unter neuem Namen und durch die 100-prozentige Tochterfirma KGM Europe auch direkt in Deutschland. „Wir sind der älteste koreanische Automobilhersteller“, sagt KGM-Vertriebschef Michael Martensen:

SsangYong wurde 1954 gegründet, 1969 folgte die erste eigene Geländewagen-Produktion, 1986 die Zusammenarbeit mit Mercedes-Benz. Der Fokus der Produktpalette liegt seitdem auf SUVs und Pick-Ups. „Als Geburtsstätte des Automobils ist Deutschland nach wie vor einer der wichtigsten Märkte der Welt“, sagt der neue KGM-Deutschland/Europa-Chef BK Lee, der in Personalunion auch weiterhin Managing Director and Head of Overseas Business ist. „Deutschland spielt eine zentrale Rolle, um unsere ehrgeizigen Ziele und Wachstumspläne in Europa zu verwirklichen“, sagt Lee. Im vergangenen Jahr hat KGM 2981 Fahrzeuge in Deutschland verkauft. Aktuell stehen Benziner-, Diesel-, Elektro- und seit neuestem auch Hybrid-Modelle bei 140 Händlern zur Wahl, bis Ende 2026 soll das Händlernetz auf 180 bis 200 wachsen.

Zwei der KGM-Modelle sind auch vollelektrisch am Start, der Torres EVX und der Musso EV. Der KGM Musso EV ist nicht nur der zweite vollelektrische KGM, sondern nach dem Maxus eTerron 9 der zweite vollelektrische Pick-Up auf dem deutschen Markt.

Das Auto

Wir waren mit dem vollelektrischen Pick-Up Musso EV unterwegs. Musso ist koreanisch und bedeutet Nashorn, mit 5,16 Meter Länge und 1,92 Meter Breite macht der Pick-Up mit Doppelkabine seinem Namen alle Ehre — auch wenn die Maße im allgemeinem Pick-Up-Vergleich eher kompalt sind. Zur Wahl stehen Allrad- und Frontantrieb. Beim Fronttriebler sitzt ein 152 KW (207 PS) starker E-Motor mit 339 Nm Drehmoment an der Vorderachse, beschleunigt laut Herstellerangaben in 9,2 Sekunden auf 100 km/h und regelt bei 162 km/h ab. Bei der Allradversion treiben zwei E-Motoren an der Vorder- und Hinterachse mit jeweils 152 kW (207 PS) und 339 Nm Drehmoment den knapp 2,3 Tonnen schweren Pick-Up an. Beschleunigung in knapp 8 Sekunden auf 100 km/h, bei 177 km/h regelt das System ab. Die Gesamtsystemleistung wird hier von der Elektronik auf 175 kW (238 PS) begrenzt. 

Batterie und Laden

Bei der Batterie setzt KGM auf BYD-Technik, die 80,6 kWh große Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie sitzt im Wagenboden. KGMs Batterielieferant BYD nutzt die „Cell to Pack“-Technik, bei der die rechteckig geformten Blade-Zellen direkt in die Batterie montiert werden. Das soll eine höhere Energieeffizienz und verbesserte Sicherheit bei hoher Haltbarkeit gewährleisten. Und weil die Batterie das Herzstück der Elektroautos ist und die Kundschaft immer noch unsicher ob der Haltbarkeit ist, gibt KGM üppige Garantien: zehn Jahren oder eine Million Kilometer. „Wir stehen zu unseren Fahrzeugen, unsere Fahrzeuge stehen für Qualität“, sagt Michael Martensen. Neben der Batterie gibt es eine Herstellergarantie von 7 Jahren oder 150.000 Kilometern und eine europaweite  Mobilitätsgarantie von ebenfalls 7 Jahren. Laut WLTP sind beim Fronttriebler Reichweiten von bis zu 420 Kilometern möglich, das entspricht einem Verbrauch von 23,0 kWh/100 km. Die Allradversion verbraucht laut WLTP 26,0 kWh auf 100 Kilometer und verfügt so über 379 Kilometer Reichweite. KGM sieht den Musso EV als Flottenfahrzeug für Kommunen und Gewerbekunden, die Reichweite ist dafür mehr als ausreichend. Mit den Schaltwippen am Lenkrad lässt sich bequem die Rekuperationspower einstellen, insgesamt gibt es vier unterschiedliche Stufen.

Ist der Akku leer, kann an Schnellladesäulen mit einer Ladegeschwindigkeit von 120 kW nachgeladen werden — laut Datenblatt lädt die Batterie innerhalb von 36 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Ist keine Schnellladesäule in der Nähe, lädt der Musso EV an 11-kW-Ladestationen mit der handelsüblichen Geschwindigkeit. Die Ladebuchse sitzt im vorderen linken Kotflügel. Als Pick-Ups hat der Musso EV weder einen Kofferraum noch einen Frunk, trotzdem gibt es für Ladekabel, Warndreieck und Verbandskasten eine praktische Verstaumöglichkeit hinter den Rücksitzen — das ist praktischer als manche Aufbewahrung in Kofferraumböden.

Cockpit und Ladefläche

Eine Besonderheit am vollelektrischen Pick-Up ist, dass er sich wie ein Pkw fährt – kein Wunder, der Musso EV baut auf der Basis des vollelektrischen Torres EVX auf. Auch im Innenraum ist das sichtbar, der vor der B-Säule quasi identisch ist. Quasi alle Funktionen werden über das 12,3 Zoll große Infotainmentsystem gesteuert, am Lenkrad befinden sich zusätzliche Tasten, zum Beispiel für die Assistenzsysteme und die Lautstärke. Per Kabel kann das Smartphone mit dem System verbunden werden, in der Ausstattungslinie Lux kann das Smartphone induktiv geladen werden. Haptische Knöpfe gibt es so gut wie keine im Cockpit.

Insgesamt haben fünf Personen in der Doppelkabine Platz, wie immer gilt: je länger die Fahrt, desto mehr wird ein Fünf- zum Viersitzer. Die 1,52 Meter lange und 1,35 Meter breite Ladefläche fasst 1049 Liter Ladevolumen, bietet Platz für eine Europalette und kann mit 890 Kilogramm beladen werden. Zusätzlich steht die Anhängelast von 1,8 Tonnen (Frontantrieb) beziehungsweise 2,3 Tonnen (Allrad) zur Verfügung.

Preis

Die Konfiguration des Musso EV ist einfach, im Angebot sind zwei Ausstattungslinien. Die günstige Variante Core startet bei 41.990 Euro und beinhaltet elektrische Außenspiegel, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Rückfahrkamera mit Einparkhilfe vorn und hinten, Smart-Key-Zugang, Licht- und Regensensor, Multifunktionslenkrad, LED-Scheinwerfer, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen und ein Reihe von Fahrerassistenzsystemen. Die Lux-Linie startet bei 48.990 Euro und bringt zusätzlich zur Core-Ausstattung beheizbare und belüftete Ledersitze, eine Lenkradheizung, ein elektrisches Schiebedach, eine 360-Grad-Kamera und eine Wärmepumpe. Optional erhältlich sind der Allradantrieb für 4000 Euro und die Metallic-Lackierung für 700 Euro.

 

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Franziska Weber