Logbuch VW ID.4

Unterwegs mit dem vollelektrischen VW-SUV. Praxistest.

  • Vollelektriker von Volkswagen
  • Solide und unaufdringlich
  • Gute Verbrauchswerte

 

Volkswagen hat sein Elektroauto-Jahresziel mit weltweit 500.000 verkauften ID-Modellen bereits Mitte November erreicht. VW-Kunden haben momentan die Wahl zwischen vier vollelektrischen Modellen: ID.3, ID.4, ID.5 und (ausschließlich in China) ID.6. Bis 2026 sollen zehn neue E-Modelle auf den Markt kommen und ab 2033 will Volkswagen in Europa ausschließlich E-Autos produzieren.

Einer für alle: der MEB

„Vom Einstiegs-E-Auto mit Zielpreis von unter 25.000 Euro bis zum neuen Flaggschiff Aero B werden wir in jedem Segment das passende Angebot haben“, sagt Imelda Labbé, VW-Vorständin für Vertrieb, Marketing und Aftersales.

Dafür wurde speziell für den Elektroantrieb eine Fahrzeugarchitektur entwickelt, der Modulare E-Antriebsbaukasten (MEB). Der MEB ist die technische Basis für die vollelektrischen und voll vernetzten Autos der ID.-Familie und soll das Elektroauto dank großer Skaleneffekte günstiger und damit für viele Menschen erschwinglich machen.

Start bei 46.335 Euro

Der Preis ist momentan oft noch eine der häufigsten Einstiegshürden beim Elektroauto. Der vollelektrische ID.4 startet mit einem Einstiegspreis von 46.335 Euro. Dafür bekommen Kunden einen 4,58 Meter langen SUV, der von einer im Heck sitzenden 150 kW (204 PS) starken permanenterregten Synchronmaschine angetrieben wird. Bei 160 km/h riegelt der Elektro-SUV ab – für Elektroautofahrer sollte das kein Problem sein, da der Verbrauch ab 130 km/h exponentiell wächst und wer lieber fährt, als an Ladesäulen hält, der drosselt sein Tempo automatisch. Drei Fahrprogramme stehen zur Wahl: Eco, Komfort und Sport. Der Antritt ist bei allen Modi dank des Drehmoments von 310 Nm gut, das Fahrwerk wird stufenweise straffer, die Lenkung direkter. Extrem einfach und direkt ist die Einstellung des One-Pedal-Drive-Modus über den Schalthebel, der rechts hinter dem Lenkrad angebracht ist. Durch die Rekuperation verbessert sich auch die Bremsleistung des ID.4. Insgesamt fühlt sich das 1,85 Meter breite Elektro-SUV recht leicht an – aber auch die Elektroauros von Volkswagen überzeugen durch grundsolide Fahreigenschaften. Einziges Manko: Die Sicht nach hinten ist sehr eingeschränkt und beim Rückwärtsfahren muss man sich quasi total auf die Rückfahrtkamera verlassen.

Emden, Zwickau, Braunschweig

Für den europäischen Markt wird der ID.4 in Emden und Zwickau gebaut. Die knapp 500 Kilogramm schwere 77-kWh-Lithium-Ionen-Batterie kommt aus Braunschweig. Das Akkku-Pack sitzt zwischen den Achsen im Wagenboden und soll laut Hersteller Reichweiten bis zu 522 Kilometern ermöglichen. Das entspräche einem Durchschnittsverbrauch von 14,75 kWh pro 100 Kilometer und wäre für ein 2,1 Tonnen schweres Fahrzeug eine Meisterleistung. Nach insgesamt 800 Test-Kilometern über die Autobahn (circa 450 Kilometer), über Landstraßen und im Stadtverkehr waren wir mit einem immer noch sehr guten Durchschnittsverbrauch von 19,5 kWh pro 100 Kilometer unterwegs. Das entspricht einer Reichweite von etwa 370 Kilometern.

Präzise Zielführung, Head-Up-Display optional

Sobald nur noch 20 Prozent der Batterie zur Verfügung stehen, fordert der ID.4-Bordcomputer zum Ladestopp auf. Und wenn das Navigationssystem läuft, wird automatisch die nächstgelegene Lademöglichkeit angezeigt, die mit einem Klick angesteuert werden kann. Insgesamt überzeugt das Navigationssystem durch seine präzise Zielführung – vor allem in Kombination mit dem optional bestellbaren Augmented-Reality-Head-Up-Display, das unter anderem Geschwindigkeit, eingeschaltete Assistenzsysteme und Abbiegepfeile auf die Windschutzscheibe projiziert.

„Hallo ID.“

Die Assistenzsysteme werden über Knöpfe am Lenkrad ein- und ausgestellt, das Radio kann ebenfalls direkt über Knöpfe am Lenkrad bedient werden. Alle weiteren Einstellungen benötigen das mittig eingebaute Display mit Touchscreen. Die Bedienung ist etwas verschachtelt und wegen fehlender haptischer Reaktionen im Stand empfehlenswert. Während der Fahrt sollte man die Sprachsteuerung einsetzten: „Hallo ID.“

Insgesamt überzeugt das Interieur des ID.4 durch gut verarbeitete Materialien und ein großzügiges Raumangebot. Sowohl auf den Vordersitzen als auch im Fond sitzen auch Großgewachsene bequem. Der Kofferraum bietet ein Ladevolumen von 543 Litern, klappt man die Rücksitze um, wächst das Ladevolumen auf bis zu 1575 Liter.

Besonders aufregend ist er nicht, der ID.4. Aber sehr solide. Und unaufdringlich. So gesehen ein echter Volkswagen.

Alle Daten im KATALOG e.

Fotos: motorfuture

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Franziska Weber