Einmal Zukunft und zurück. Und zurück in die Zukunft. Das ist die Geschichte der Marke Smart. Vorläufig jedenfalls.
Wer zu früh kommt, den bestraft mitunter das Leben. Das betrifft den politischen und kulturellen Fortschritt, das gilt aber nicht zuletzt für die Warenwelt der Konsumgesellschaft. Der kleine Smart ist ein feines Beispiel auf vier Rädern.
Der Smart also. Der ursprüngliche Smart in der ganzen Würze seiner Kürze. Und der Smart in seinem zweiten Joint-Venture-Leben, das von der eigentlichen Idee nur den Namen übrig ließ. Aber auch das soll sich bald wieder ändern.
2,50 Meter für die Stadt
Die Idee, ein 2,50-Meter-Auto für den wendigen Einsatz in der Großstadt zu bauen, war ihrer Zeit weit voraus. Zu weit. Die Autotester zählten noch die Zylinder und die Pferdchen unter der Motorhaube, als sich der Zweisitzer vor gut 30 Jahren unter die Leute wagte. Die Konkurrenz spottete über den „Elefantenrollschuh“ (Ferdinand Piech), und das Publikum war irritiert: Das soll ein Auto sein, zudem eines von Mercedes?
Der Stern blieb dem Zwerg zwar von Anfang an verwehrt. Aber die Macht und das Geld der feudalen Daimler-Familie päppelte den anfangs doch arg kränkelnden Winzling so lange, bis das Baby auf eigenen Rädern fahren konnte. Keine Frage, betriebswirtschaftlich war das Wägelchen nur durch beharrliche Querfinanzierung möglich. Strategisch zahlt es sich später immerhin aus: Der Kurze senkte nicht nur den Flottenverbrauch der Daimler-Modellpalette, seine Konzeption spielte auch mit der Idee des Elektroantriebs.
1994: Joint Venture mit Swatch
Nicolas G. Hayek, der Erfinder der Swatch Uhr, will ein kleines Stadtauto auf den Markt bringen. Für die schnelle und erfolgreiche Umsetzung geht Hayek auf die Suche nach einem erfahrenen Partner. In der Kombination aus hundertjähriger Erfahrung im Automobilbau bei Mercedes-Benz und der kreativen Kraft von Swatch scheinen sich zwei ideale Partner für ein Projekt gefunden zu haben. Die Zusammenarbeit führt zu einem einzigartigen Fahrzeugkonzept und zu einer neuen Automobilmarke: Smart.
Aus den ersten Verhandlungen zwischen Mercedes-Benz und Nicolas Hayek entsteht nach kurzer Zeit die Micro Compact Car AG mit Sitz im schweizerischen Biel. Auf der Suche nach einem Produktionsstandort stehen über 70 Standorte weltweit zur Wahl. 1994 erhält der Standort Hambach in Frankreich den Zuschlag.
1997: Weltpremiere auf der IAA in Frankfurt
Nach dem Start der Entwicklung 1994 feiert das Smart City Coupé (später der Smart fortwo) 1997 seine Weltpremiere auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main. Die Produktion beginnt im Juli 1998 in einem neuen Werk im französischen Hambach. Der Verkauf startet im folgenden Oktober in neun europäischen Ländern (Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Schweiz und Spanien). Smart wird eine 100‑prozentige Tochtergesellschaft der Daimler-Benz AG (heute Mercedes-Benz AG).
1998: Markteinführung
Am 2. Juli 1998 läuft der erste Smart fortwo vom Fließband in Hambach. Am 3. Oktober 1998 startet die Markteinführung.

1999: Smart Diesel
Smart präsentiert auf der IAA Ende 1999 den cdi-Diesel mit einem Verbrauch von 3,4 Litern auf 100 Kilometer. Bis zur Einführung des neuen Modells 2007 werden über 140.000 Smart cdi verkauft.
2003: Modellpflege
Neuer, größerer Dreizylindermotor mit 37 kW/50 PS und 45 kW/61 PS aus 698 cm³. Dieselmotor mit 30 kW/41 PS. 2003 ändern sich auch das Logo und die Nomenklatur: Aus City Coupé und Cabrio werden fortwo Coupé und Cabrio.
2007: zweite Generation
Eine bessere Fahrwerksabstimmung, der längere Radstand sowie die etwas größere Karosserie geben der zweiten Smart-Generation einen Hauch von Verbindlichkeit mit auf den Weg. Zur Markteinführung im April 2007 geht der Smart fortwo zudem mit neu entwickelten und leistungsstärkeren Benzinmotoren an den Start: Der Dreizylinder mit einem Liter Hubraum leistet wahlweise 45 kW/61 PS, 52 kW/71 PS oder 62 kW/84 PS. Die Leistung der Dieselvariante liegt bei 33 kW/45 PS.

2008/2009: USA und China
Im Januar 2008 Marktstart in den USA, 2009 in China. Das Reich der Mitte entwickelt sich schnell zu einem der größten Märkte für die Marke.
2012: fortwo electric drive
Seit Frühjahr 2012 fährt der elektro-Smart mit einer Batterie der Deutschen Accumotive.

2014: dritte Generation
Nicht alle Fans begrüßen die dritte Smart-Generation im Frühjahr 2014. Der Zweisitzer wächst in der Breite um zehn Zentimeter, das erschwert das in den meisten Städten tolerierte Querparken.
Das markentypische Heckmotorkonzept wird jetzt auch im viersitzigen forfour angeboten, der in Kooperation mit Renault entsteht. Der Charme des Viersitzers erschließt sich allerdings nur Kaufleuten, denen Skaleneffekte im Produktionsprozess wichtiger sind als Originalität. Mit einer Länge von 3,50 Meter ist der forfour genau genommen ein ganz gewöhnlicher Kleinwagen.
Im Heck der Stromvariante summt ein 60 kW/81 PS starker Elektromotor mit 1-Stufen-Automatik.

Fotos: Daimler
2020: Strom statt Flammen
Von 2020 an fährt der Smart ausschließlich mit elektrischem Strom. Nach den Testmärkten USA und Kanada (seit 2017) gibt es es den Winzling auch in Europa ausschließlich mit batterieelektrischem Antrieb. Einstellung der Produktion im März 2024. Übrigens: Gut zwei Millionen Smart wurden seit 1998 produziert und verkauft.
2022: Geely + Mercedes-Benz = Smart
2019 wird Smart in ein Joint Venture mit Sitz in Hangzhou in der südchinesischen Provinz Zhejiang ausgegründet. 50:50-Partner sind Mercedes-Benz und der chinesische Konzern Geely, der unter seinem Dach mittlerweile rund 20 Automobil-Marken versammelt. Smart produziert seit 2022 ausschließlich in China. Das Alleinstellungsmerkmal Stadtauto wird zunächst aufgegeben, die Smart-Modelle #1, #3 und #5 sind konventionelle Angebote aus dem SUV-Segment (siehe motorfuture-SCHAUFENSTER).
2026: Concept #2
Das Produktportfolio mit den SUVs ist nicht so smart wie die Smart-Ursprungsidee. In der Hangzhou Bay besinnt man sich deshalb auf die Wurzeln der Marke. Im April 2026 stellt das Unternehmen den smart Concept #2 auf die Peking Auto Show – ein ultrakurzer Zweisitzer im klassischen Smart-Stil. Es ist mehr als eine Studie: Das Auto soll zeitnah zur Serienreife entwickelt werden.
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