€ 48.905,-

48.905 Euro. Das ist der durchschnittliche Basis-Listenpreis für Elektroautos auf dem deutschen Markt.* Er gilt für die jeweils einfachste Ausstattung, die kleinste Batteriekapazität und die niedrigste Leistungsvariante einer Modellreihe. 

Die billigste Lösung wäre natürlich Gar-kein-Auto. Aber man hätte dann kein Auto. Und in Abwandlung des Loriot-Mops-Zitates darf man sagen: Ein Leben ohne Auto ist möglich, aber sinnlos.

Ganze Generationen kämpften um das kleine Stück Glück. Motorisiertes Blech brachte sie zur Arbeit, in die Kaserne oder nach Kreuzberg und im Sommer nach Italien und in die Türkei. Kleinbürger, Großbürger, Gastarbeiter, Soldaten, Wehrdienstverweigerer, Studenten. Das ist lange her. Die Angleichung guter Lebensverhältnisse für (fast) alle gesellschaftlichen Gruppen ist so selbstverständlich geworden, dass man sie schon wieder in Frage stellt. Die Zauberlehrlinge sind unter uns. Sie diskutieren die Macht der Räte, die ihre Räte sind. Die private Nutzung des Automobils, raunt eine radikalisierte Minderheit, ist nur noch ein Auslaufmodell.

Wer soll das bezahlen?

Die normative Kraft des Faktischen spielt den Ökopopulisten unterdessen in die Hände. Der ökologische und ökonomische Hoffnungsträger Elektroauto ist teuer, im Vergleich mit dem herkömmlichen Fossilmobil sogar sehr teuer. Die Elektrotechnik hat die Neuwagenpreise auf ein Niveau gehoben, das an die schlechte alte Zeit erinnert.

Das Automobil ist wieder ein Konsumthema für Besserverdiener, die aktuelle Entwicklung der Elektroautopreise kennt nur eine Richtung: nach oben.

Beispiel Taycan: 93.139 Euro oder 199.168 Euro

Der durchschnittliche Listenpreis für neue Elektroautos beträgt in Deutschland momentan 48.905 Euro. Die Zahl steht für den Basispreis des Basismodells der jeweiligen Modellreihe. Ausstattungsextras kosten logischerweise Aufpreis, ebenso zusätzliche Akkukapazität für größere Reichweiten, mehr Leistung oder Allradantrieb.

Hinzu kommt: Die Preisspreizung innerhalb der Baureihe kann gewaltig sein. Porsche bietet den Basis-Taycan für 93.139 Euro an, das Topmodell Taycan Turbo S Cross Turismo kostet 199.168 Euro. Mindestens. Aber es gibt auch zivilere Beispiele für deftige Preissprünge: Ford stellt den Mustang Mach-E mit 62.900 Euro in die Preisliste, für den potenteren Mach-E GT werden 86.200 Euro aufgerufen. Extras jeweils on top.

Das sind Beträge, die den Normalverdiener alleine deshalb nicht tangieren, weil sie in der Regel außerhalb seiner finanziellen Möglichkeiten liegen. Die Hersteller kaschieren die gewaltige Unwucht mit Leasing-Lockvögeln, die aber häufig spätestens beim Blick ins Kleingedruckte abstürzen: Laufzeiten, Kilometerbeschränkungen, Sonderzahlungen.

Und um der ganzen Wahrheit die Ehre zu geben gilt bei den Elektromeistern, was bei den Verbrennern schon immer galt: Ein Porsche ist halt ein Porsche, und auch der Mustang war noch nie ein Auto für die Laufkundschaft.

Gut und günstig auf gehobenem Niveau

Gut-und-Günstig-Angebote gibt es auch im E-Auto-Segment, allerdings auf vergleichsweise gehobenem Niveau. Den Dacia Spring zum Beispiel gibt es für 22.750 Euro, den MG4 Electric für 31.563 Euro und den Opel Corsa-e für 34.550 Euro. Für listenmäßige 28.000 Euro liefert Renault den Twingo Electric, für 29.985 Euro gibt es den VW e-Up, aber schon die Volkswagen-ID-Idee startet mit dem ID.3 nur eine Handvoll Kleingeld entfernt von der 40.000-Euro-Schallmauer: 39.950 Euro.

Wie es mit den E-Auto-Preisen weitergeht? Kommt darauf an, wie sich der Wettbewerb in Richtung Batterietechnik und Kleinwagen entwickelt. Stückzahlen sind ein Thema und die damit verbundenen Skaleneffekte. Denn klar ist auch: Trotz der happigen Preise ist das Elektroauto bislang ein Minusgeschäft, eine zumindest in den entwickelten Märkten alternativlose Investition in die Zukunft.

*Recherchebasis: motorfuture KATALOG e, aktuelles Neuwagenangebot. Stand Juni 2023.

Foto: Pixabay

 

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Oskar Weber