Mobilitätsstudie: Pro-Auto-Fraktion klar in der Mehrheit

Aktuelle Studie: Die Deutschen zweifeln wegen Corona an der Mobilitätswende. In Berlin, Bremen und Hamburg dreht der Wind besonders stark. E-Autos auf dem Vormarsch.

Sicher ist sicher. Die Deutschen setzen nach den Erfahrungen der Corona-Zeit wieder verstärkt aufs eigene Auto. Dieses Ergebnis nennt eine repräsentative Bevölkerungsbefragung* im Auftrag des Versicherungsunternehmens HUK Coburg. Basis sind 4029 Personen ab 16 Jahren, die im Februar 2021 befragt wurden, also ein Jahr nach Ausbruch der Corona-Pandemie.

Kosten vor Umweltschutz

Die Themen Kosten, Schnelligkeit und Flexibilität sind derzeit mit weitem Abstand die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl des Verkehrsmittels. Dass „Mobilität bezahlbar wird für breite Bevölkerungskreise“ und die „Kosten für Mobilität insgesamt sinken“ werden als Ziele zu über 50 Prozent häufiger genannt als etwa die Themen „CO2-Neutralität“ oder „mehr Verkehrssicherheit“ auf den Rangplätzen drei und vier.

Corona ändert die Perspektive

Bei mehr als jedem vierten Befragten in Deutschland hat Corona die Einstellung bei der Auswahl von Verkehrsmitteln verändert. In den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg ist es sogar im Schnitt jeder Dritte. „Ich hätte vor der Corona-Erfahrung nicht erwartet, dass ein Auto für mich einen solchen Wert als Verkehrsmittel einmal haben könnte.“ Nirgends sagen das jetzt so viele wie in Berlin. „Ich hatte vor der Corona-Zeit beabsichtigt, das Auto weniger zu nutzen, das mache ich jetzt aber nicht.“ Diese Aussage ist nun bundesweit am häufigsten in Bremen zu hören gefolgt von Berlin. Der Hygiene-Aspekt befördert ganz offensichtlich die Renaissance des Autos im Wettbewerb mit Bussen und Bahnen. Für die in der HUK-Studie befragten Frauen ist bei der Wahl des Verkehrsmittels eine gute Hygiene-Situation mehr als doppelt so wichtig wie das Thema CO2-Neutralität.

Auto mit 73 Prozent Zuspruch

Auch auf die Frage, welches Fortbewegungsmittel die persönlichen Ansprüche am besten erfülle, gibt es eine klare Antwort: Knapp drei Viertel (73 Prozent) der Befragten bevorzugen in der aktuellen Situation das Auto (alle Antriebe) und 69 Prozent bestätigen ihre Autopräferenz auch für die Zukunft. Zum Vergleich: Nur 16 Prozent der Befragten fahren am liebsten mit der Bahn, und nur zehn Prozent steigen am liebsten in den Bus.

Für fast jeden sechsten Deutschen kommt mittlerweile „grundsätzlich beim Autokauf nur noch ein E-Auto in Frage“. In Hamburg und Berlin sagt das sogar schon jeder Fünfte.

Und sieben von zehn Befragten der HUK-Mobilitätsstudie erklären, dass ein Auto im Haushalt aus beruflichen oder privaten Gründen unverzichtbar sei. Zum Vergleich: In den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg sind es jeweils nur rund die Hälfte. 

20 Prozent: Mobilitätsdebatte zu einseitig

Ergebnis der Studie ist auch: Jeder vierte Befragte sieht die „einseitige Forschung“ und „öffentliche Bevormundung“ als eine der größten Gefahren künftiger Mobilitätskonzepte in Deutschland. So lehnen ein Viertel der Bundesbürger: „eine Verteufelung des Autos” als nicht gerechtfertigt ab. Und fast jeder Zweite sagt voraus, dass auch in Zukunft „das Auto nicht seine bisherige Bedeutung verliert“. Immerhin jeder fünfte Befragte moniert in diesem Zusammenhang, dass sich bisherige Mobilitätskonzepte für die Zukunft „zu einseitig nur auf Städte konzentrieren“. HUK-Coburg-Vorstand Jörg Rheinländer: „Die Studienergebnisse zeigen, dass die Debatten um die Zukunft der Mobilität und insbesondere des Autofahrens innovativer und mit weniger Scheuklappen geführt werden müssen.“ 

 

*Bundesweit repräsentative Online-Befragung zu Einstellungen und Verhaltensweisen beim Thema „Mobilität der Zukunft“. Basis: 4.029 Personen ab 16 Jahren in 16 Bundesländern. Institut: YouGov Deutschland.

Grafik: HUK-Coburg

Redaktion